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NEU IN DEUTSCHLAND Ernst Jünger: »Der Weltstaat«.

aus DER SPIEGEL 18/1961

Der 66jährige »Stahlgewitter«-Dichter stellt sieh mit diesem Essay in die Reihe jener westlichen Publizisten, die in der Gründung einer globalen Republik den einzigen Ausweg aus dem Chaos der Zeit sehen. Jüngers Begründung ist nahezu simpel: Da Kriege die ganze Welt zerstören können und demnach sinnlos geworden sind, bleibt nur der Weg zur vereinigten Welt. Sie erscheint Jünger möglich und notwendig, weil die Ähnlichkeit der Riesenpartner Rußland und Amerika die Vermutung nahelege, »daß es sich hier um Modelle handelt: um die beiden Hälften der Gußform zur Bildung eines Weltstaates«. Dieses Plädoyer für die Weltrepublik würde freilich kaum besondere Aufmerksamkeit verdienen, wäre sein Verfasser nicht derselbe Mann, der mit seinem Essay »Der Arbeiter« (1932) eine heroische Gesellschaftsordnung begründen wollte und stolz rügte: »Wer in dem Krieg nur das eigene Leiden empfand, der hat ihn als Sklave erlebt.« Heute ist Jünger zu der Erkenntnis gekommen, daß des Staates »Kriege verdächtig werden, seine Grenzen fragwürdig«. (Ernst Klett Verlag, Stuttgart; 76 Seiten; 5,60 Mark.)

Jünger

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