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Erotika

aus DER SPIEGEL 3/1972

Selbst in Zeiten allgemeiner sexueller Sattheit scheint in Maurice Girodias' »Paperback-Porno-Empire« ("Newsweck") die Sonne nicht unterzugehen. Immer wieder entdeckt der in den USA siedelnde Olympia-Press-Verleger Marktlücken. So erwarb der vor der Zensurbehörde emigrierte Franzose, der auch in Deutschland eine Verlagsfiliale unterhält und die westliche Hemisphäre bislang mit literarischen Stimulantien vorwiegend amerikanischer Autoren überzogen hat, angeblich auf dunklen Pfaden den angeblich ersten authentischen Sowjet-Porno »Moskauer Nächte«. Nun versucht Girodias auch auf der Women's-Lib-Welle mitzuschwimmen. Mit Ann Rosenberg, 30, als Geschäftsführerin, einer attraktiven Ex-Biologin, die bisher bei Olympia Press tätig war, gründete er in einem Londoner Dachgeschoß den Olympia-Ableger »Orlando«. Verlagsprogramm: Erotika von Frauen für Frauen. weniger brutal, mehr gefühlsbetont als der übliche Männerporno. »Ich glaube«, verkündete Girodias, »die Zeit ist gekommen, in der Frauen über ihre Sexualität schreiben können, und zwar nicht mehr wie über etwas Degradierendes, sondern wie über etwas, das ihnen auf poetische, vielleicht auch auf aggressive Weise Spaß macht.«

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