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Erotische Phantasien

aus DER SPIEGEL 44/1979

Alle Frauen -- die »asexuellen, autosexuellen, homosexuellen, heterosexuellen« -- hatte Gudula Lorez vor einem Jahr in kleinen Zeitungsannoncen gebeten, »Träume, Phantasien, Lüste, Begehren, Verbotenes, Verborgenes, Verwünschtes, Verrücktes, Verruchtes« zu schreiben und ihr zuzuschicken. Jetzt ist daraus ein »erotisches Lesebuch für Frauen« entstanden ("Wo die Nacht den Tag umarmt«, 19,50 Mark, Verlag Gudula Lorez, 1 Berlin 30, Postfach 3423). Wald-, Wiesen- und Mondscheintexte mit großen Gefühlen, aber jugendfreiem Gräsergekitzel und Ja-Wort-Schmachten sortierte die Selbstverlegerin aus. Die Beiträge sollen nämlich »nicht nur Lust zum Lesen machen«. Nicht immer decken sich die am meisten verlockenden Pseudonyme der Autorinnen -- Sada Dennoch, Anne Amenda, Guy St. Louis, Rosita Dinero, Pfauenfeder, Sola Schöneberg -- mit den einfallsreichsten Texten. Zum häufig beschriebenen weiblichen Schenkeldelta fällt, gemessen an dem narzißtischen Muldengemurmel, die Bezeichnung »mein Lottchen« auf. Gudula Lorez, 34, gelernte Sekretärin, freiberufliche Journalistin und lange aktiv in der Frauenbewegung, möchte mit dieser rosa Fibel dem feministischen Defizit an Witz begegnen.

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