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THEATER Es ätzt noch

aus DER SPIEGEL 12/2007

Das Stück war der Straßenfeger der siebziger Jahre: wie Liv Ullmann und Erland Josephson als Marianne und Johan sich ihre Ehe kaputt- und beinahe wieder zusammenredeten. Ratlos und oberschlau, untreu und loyal, vor allem aber mit nordisch fahlem Pathos, an Strindberg und Ibsen geschult, legten sie bloß, woran der Wohlstandsbürger litt - nämlich vor allem an sich selbst. Emanzipation der Frau, das Recht auf den Orgasmus und die Selbstfindung, die bösen Eltern und die blöden Konventionen, das waren die Themen dieses intimen Kammerspiels, das Ingmar Bergman und seine Hauptdarstellerin zu Weltberühmtheiten machte. Die Regisseurin Amina Gusner, 41, hat Bergmans Fassung der ursprünglich sechs Fernsehabende noch einmal stark gekürzt (Premiere am 18. März im Theater am Kurfürstendamm), und tatsächlich tun die Streichungen der Sache gut: Der Text wird straffer, und doch ätzt er immer noch. Katja Riemann und René Lüdicke geben das Akademikerpaar in mittleren Jahren mit schärferen Konturen als ihre Vorbilder, weniger elegisch, dafür mit reflektiertem Humor. Die Satzschleifen des Originals können sie sich sowieso sparen: Wir alle kennen den Text, denn er ist tausendfach auf allen Sofas gesagt. Dass er noch immer stimmt, spricht vielleicht gegen die Gegenwart, in jedem Fall aber für Bergman.

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