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Theater Es werden auch Hamster ertränkt

aus DER SPIEGEL 6/1996

SPIEGEL: Bisher haben Sie vor allem zeitgenössische Stücke inszeniert. Ist »Ladykillers« das erste Werk der Autorin Bruncken?

Bruncken: Diese Formulierung habe ich bewußt vermieden. Ich habe ja nur geklaut - bei den Klassikern genauso wie bei Thomas Brasch, und auch James Bond hat seinen Auftritt.

SPIEGEL: Sind die Frauen bei Ihnen Opfer oder Täterinnen?

Bruncken: Die Ladies sind meistens die Killer. Gelegentlich wird aber auch eine Frau von einem Mann umgebracht oder eine Frau von einer anderen. Es kommen klassische und weniger klassische Todesarten vor wie Erschießen, mit dem Auto überfahren, vergiften - und es werden auch zwei Hamster ertränkt.

SPIEGEL: Klingt abstrus.

Bruncken: Diese Szene habe ich aus Jelineks Roman »Michael - ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft": Dem Vater sind die Haustiere ein bißchen unsympathisch. Er löst das Problem, indem er sagt: »Dann wollen wir also unseren Hamstern die Freiheit geben.« Und dann werden sie ertränkt. Das Ganze endet mit der Erkenntnis, daß auch das Lieblingsprogramm im Fernsehen nicht die Lücke füllen kann, die der Tod eines lieben Menschen oder Haustieres hinterläßt.

SPIEGEL: Ist »Ladykillers« vor allem ein Stück für Frauen?

Bruncken: Das wird sich zeigen. Ich glaube, es ist schwer, sich mit den Helden oder Antihelden zu identifizieren. Es sind schon sehr böse Szenen dabei, wo wir so tun, als ob wir mit den Bösen sympathisieren. Mord ist das verbindende Element dieser Collage - es geht dabei immer um die Beziehung zwischen Männern und Frauen.

SPIEGEL: Für Sie ist Mord eine Form von Beziehung?

Bruncken: Es ist ein sehr radikaler Umgang mit einem Menschen.

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