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Euphranios-Vase frisch bemalt?

aus DER SPIEGEL 7/1974

Ist die Euphronios-Vase, skandalumwitterte Millionen-Anschaffung des New Yorker Metropolitan Museum, am Ende nicht nur gestohlen, sondern auch noch falsch? In Cerveteri, wo nach Überzeugung italienischer Behörden der Kunsttopf illegal ausgebuddelt wurde, stellte sich dem römischen »Messaggero« ein Tombarolo (Grabräuber) anonym zum Interview und gab der internationalen Kriminalaffäre eine neue Variante. Danach waren in einem Etrusker-Grab am Ort zwei Vasen, eine unverzierte und eine mit Bildern des Malers Euphronios, gefunden worden. Geschickte Grabraub-Helfershelfer kopierten diese Darstellungen auch auf den kahlen Topf, der danach wieder in der Gruft verstaut wurde. Die Tombaroli verkauften das Original an einen Schweizer Privatsammler und ließen danach die antike, aber neubemalte Vase von einem Interessenten auffinden, der sie erwarb und schließlich nach New York weiterleitete. Dort erwies naturwissenschaftliche Prüfung, logisch, das ehrwürdige Alter des Objekts. So abenteuerlich die Story auch klingt -- italienische Experten schließen nicht völlig aus, daß sie stimmen könnte.

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