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Fernsehen Fauler Hypnose-Zauber

aus DER SPIEGEL 28/1995

Die acht Kandidaten hängen schlaff in den Stühlen. Erst wenn Hypnotiseur Manfred Knoke es befiehlt, stehen sie schlaftrunken auf, steppen über die Bühne oder spielen auf einem Federballschläger Gitarre. Das Publikum grölt. Unter dem Titel »Hypno - die unglaubliche Show« präsentiert Knoke, 44, den neuesten Beitrag des Privatsenders Pro Sieben zur Zuschauerverdummung. Experten und Ärzte, die mit Medizinischer Hypnose in der Schmerz- und Psychotherapie arbeiten, halten die »unglaubliche Show« für unglaubwürdig und gefährlich: »Show-Hypnose muß auch in Deutschland verboten werden«, sagt Walter Bongartz, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Hypnose. Neben den Gefahren - Amateurhypnose könne Herzanfälle oder Schizophrenie auslösen - fürchten die Wissenschaftler um den Ruf der Hypnose als seriöser Therapieform. Früher zog »Hypno«-Star Knoke seine Show unter dem Künstlernamen Don Alfredo ab. Den Weltruhm, von dem der Sender spricht, suggerierte sich der gelernte Radio- und Fernsehtechniker offensichtlich selbst: In Fachkreisen gilt er als unseriös, therapieren darf er nicht. Für lokale Schlagzeilen hat Knokes Handwerk immerhin schon gereicht, mit seinen Hypnose-Shows tingelte er durch Diskotheken und Hotels, mit Massenhypnosen fand er Einträge im Guinness-Buch der Rekorde: 1987 schläferte er in sechs Tagen 1811 Bochumer ein. Wie die Kandidaten bei »Hypno« in Trance versetzt werden, sieht der Fernsehzuschauer nicht - angeblich, um zu vermeiden, daß jemand vorm Fernseher hypnotisiert wird. Zweifler lud Knoke in der ersten Sendung ins Studio ein, »um Sie auch einmal in unserer Show begrüßen zu können«. Alles fauler Zauber: Die 14 Folgen sind längst abgedreht.

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