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Film: Ferreris Abgesang auf Ehe und Familie

aus DER SPIEGEL 22/1976

Marco Ferreri, seit dem »Großen Fressen« international eingeführter Kino-Provo, »wirft wieder mal eine Bombe«. Unheilbar, so kündet er in seinem neuen Schock-Werk »Die letzte Frau«, sei die Ehe zerrüttet, unabwendbar der Tod der bürgerlichen Familie. Der Film, jüngst in Paris uraufgeführt, handelt von einem eher biederen Ingenieur, der -- von seiner feministischen Frau verlassen -- neues Leid mit einer sich emanzipierenden Geliebten erlebt und schließlich zur symbolträchtigen Verzweiflungstat schreitet: zur Selbstkastration. Das sexgeladene Ehedrama animierte die französische Kritik sogleich zu voluminösen Kontroversen. »Alles dreht sich um den Phallus«, staunte der im übrigen »angeekelte« konservative »Figaro": »Man sieht das Organ von vorn und seitlich, in Ruhe und aufgerichtet.« Na, und? »Wenn das Pornographie ist«, befand der »Nouvel Observateur«, »soll sie hochleben.«

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