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Fix um die Welt

aus DER SPIEGEL 31/1977

Dr. med. Heinrich Hoffmann (1809 bis 1894), Frankfurter Psychiater und »Struwwelpeter«-Autor, hat nicht nur die schlimmen Folgen des Hungerstreiks beschrieben, sondern seinem Suppenkaspar auch ein offenbar positiv gemeintes Leitbild gegenübergestellt: Einem Enkel sagte er 1873 in Wort und Bild voraus, »wie Carlchen aussehen wird, wenn er 4 Wochen noch so fort ißt«. Diese und ähnliche Entdeckungen gestattet jetzt ein in Frankfurt eröffnetes »Heinrich-Hoffmann-Museum«, das manche Seite aus dem Nachlaß des Mediziners und Sonntagskünstlers zum erstenmal publik macht.

Neben Fachschriften und -poesien ("Liederbuch für Ärzte") sind da weniger bekannte Hoffmann-Kinderbücher, teils mit originalen Manuskript- und Bilderblättern, sowie auch einzelne Aquarelle ausgelegt, darunter eine Satire auf die Revolution von 1848 und ein Würfelspiel »Des Herrn Fix von Bickenbach Reise um die Welt in 77 Tagen«. Eine Kollektion der weltweiten »Struwwelpeter«-Ausgaben und -Parodien komplettiert das Panorama.

Im neuen Museum dürfte das Material, größtenteils eine Stiftung von Hoffmann-Urenkeln, nach dem Sinn seines Urhebers untergebracht »ein: Es gehört einer »Werkgemeinschaft zur Integration psychisch behinderter Menschen«, die unter dem gleichen Dach auch Patienten arbeiten läßt -- im Geiste Heinrich Hoffmanns. Denn der drakonische Biedermeier-Pädagoge war ein fortschrittlicher Arzt, der das Frankfurter »Tollhaus« in eine Art von »free clinic« umwandelte.

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