Zur Ausgabe
Artikel 35 / 104
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Flick-Affäre, empirisch

aus DER SPIEGEL 15/1991

Welche Motive treiben einen, der 50 000 Mark an einen Politiker verschenkt? Ist er spendabel aus Altruismus, etwa um die Demokratie zu fördern, wie Spender und Empfänger unisono betonen? Oder will er etwas dafür? Und wenn ja: Weiß es der großzügig Bedachte? Christine Landfried, 40, Politologin aus Heidelberg, versucht diese Fragen in ihrer jetzt veröffentlichten Habilitationsschrift zu beantworten.

Was vor Jahren als Flick-Affäre Schlagzeilen machte, liegt nun als nüchterner, empirischer Befund auf dem Tisch. Die leidenschaftlichen Kontroversen schlagen sich nur noch in Fußnoten nieder, etwa über die SPIEGEL-Enthüllungen jener Tage. Doch der Leser schwankt, ob ihn die distanzierte Analyse von heute nicht mehr bedrückt als die Tagespolemik von 1984.

Die Politologin argwöhnt, »daß Korruption in Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird«. Sie definiert, mit einer Anleihe bei der Volkswirtschaft, was ein vernunftbegabter Spender zwangsläufig bezwecken muß. Mit dieser Idee, Parteienfinanzierung nicht juristisch oder politologisch, sondern ökonomisch zu erklären, prognostiziert die Autorin der parlamentarischen Demokratie eine üble Zukunft: »Der Spender möchte mit dem Einsatz seines Geldes einen Nutzen realisieren, der eine höhere ,Rendite' abwirft als die Anlage der gleichen Geldsumme zum gängigen Marktzins« - Banknoten als Stimmzettel.

Zur Ausgabe
Artikel 35 / 104
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.