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USA Fliegender Fisch

aus DER SPIEGEL 19/1965

Die Konstrukteure des US-Konzerns »General Dynamics« arbeiten daran, die Natur zu übertreffen.

»Nicht einmal die Natur«, so kommentierte letzten Monat das britische Wissenschaftsjournal »New Scientist« das revolutionäre Unterfangen der amerikanischen Ingenieure, »hat bislang einen Vogel hervorgebracht, der länger als einen Augenblick unter Wasser zu schwimmen vermag, noch gibt es einen Fisch, der mehr als einen kurzen Hüpfer über Wasser zuwege bringt.«

Die Ingenieure wollen es zuwege bringen: Im Auftrag der amerikanischen Marine entwickeln sie ein fliegendes Unterseeboot. Der künftige stählerne Tauchvogel der Amerikaner - offizieller Name: »Sub-plane"* - soll bis zu zehn Stunden unter Wasser kreuzen und rund drei Stunden durch die Lüfte fliegen können.

Zwar wird das Zwittergefährt, das sich in Luft und Wasser gleich wohl fühlen soll, in keinem Medium Rekorde brechen. Seine Höchstgeschwindigkeit in der Luft wird mit rund 450 Stundenkilometer knapp der Leistung eines Weltkrieg-II-Bombers entsprechen, und unter Wasser wird es mit fünf bis acht Knoten nicht einmal die Geschwindigkeit von U-Booten des Ersten Weltkriegs erreichen. Dennoch versprechen sich die US-Admirale, daß die Sub-planes der Zukunft zum Alptraum der gegnerischen U-Boot-Abwehrwerden könnten.

Jede Marine«, so erklärte der amerikanische Vize-Admiral John T. Hayward, »kennt heute die möglichen Ausgangshäfen feindlicher U-Boote und kann diese schon vom Auslaufen an überwachen.« Die fliegenden U-Boote hingegen seien von solch festen Stützpunkten weitgehend unabhängig und könnten wie ein Wasserflugzeug von beliebigen Küstenstationen starten. Die geringe Unterwassergeschwindigkeit der Sub-planes ist, nach Ansicht der US -Navy, kein entscheidendes Handikap. Die Bewaffnung mit Torpedos großer Reichweite, die automatisch ihr Ziel suchen, soll diese Schwäche ausgleichen.

Schwierigstes Problem der Konstrukteure beim Entwurf des Sub-plane war, die gegensätzlichen Forderungen zu vereinigen, die normalerweise an ein Flugzeug und ein U-Boot gestellt werden: Ein Flugzeug soll möglichst leicht sein, ein U-Boot aber schwer genug, um sinken zu können. Das bei U-Booten übliche Tauchverfahren beispielsweise (Fluten bestimmter Zellen des Bootskörpers) scheidet für ein Flugzeug herkömmlicher Bauart aus - das Flugzeug müßte bis zur Piloten-Kanzel geflutet werden, um zu tauchen.

Die General-Dynamics-Ingenieure entwarfen schließlich ein Kleinflugboot, bei dem ein großer Teil des Rumpfes die Tragflächen, das Leitwerk und die beim Flug ins Einsatzgebiet schon geleerten - Treibstofftanks geflutet werden, sollen. Einzig die Kanzel für die zweiköpfige Besatzung und die drei über dem Rumpf und den Tragflächen angebrachten Düsentriebwerke werden vor der Tauchfahrt wasserdicht geschlossen. Ein Elektromotor übernimmt dann den Antrieb des getauchten Sub-plane.

Daß es den General-Dynamics-Leuten gelang, schon knapp ein Jahr nach der Ausschreibung der US-Marine mit einer brauchbaren Konzeption für das fliegende U-Boot aufzuwarten, ist freilich nicht zuletzt durch die vielfältigen Erfahrungen dieser Firma begründet: Auf der General-Dynamics-Werft in Groton (US-Staat Connecticut) entstehen zahlreiche der amerikanischen Polaris-U -Boote, und in den Flugzeugwerken des Konzerns in Fort Worth (US-Staat Texas) wurde der neueste Jagdbomber der US-Luftwaffe - die F-111 - entwickelt und gebaut.

* Kombination aus »Submarine« (Unterseeboot) und »Airplane« (Flugzeug).

»Sub-plane«-Entwurf für die US-Marine: Alptraum für U-Boot-Jäger?

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