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KUNST Flimmerndes Jerusalem

aus DER SPIEGEL 47/1998

Die steinerne Gottesburg wuchs spektakulär in den Himmel, aber die reinste sichtbare Offenbarung muß für die Gläubigen das Licht gewesen sein, das da - immer größer und farbiger - von oben kam. In dem vor 750 Jahren begonnenen Kölner Dom konnten sie nicht nur die scheinbare Schwerelosigkeit französischer Kathedralgotik bestaunen, sondern auch die Wunder einer neuartigen, auf riesigen Fensterflächen ausgebreiteten Glasmalerei. Was Zeitgenossen des - nach einem Jahrhundert stockenden - Dombaus aus räumlicher Distanz vorwiegend als buntes Flimmern wahrgenommen haben dürften, wird Besuchern der Kölner Kunsthalle jetzt durch die Ausstellung »Himmelslicht« (20. November bis 7. März) dicht vor die Augen geführt. Rund hundert Glasmalereien der Epoche aus europäischen Kirchen und Museen demonstrieren feinste Material- wie Stilnuancen - und einen eigentümlichen Wandel der Motive: Im 14. Jahrhundert wird der gotische Bau, dieses Symbol des himmlischen Jerusalem, selber Bildmotiv. Statt figürlicher Szenen erscheinen mehr und mehr Giebel, Türmchen oder Maßwerkelemente wie vom Reißbrett der Architekten.

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