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KUNST Frachtgut Frau

aus DER SPIEGEL 22/2008

Es ist ein ungewöhnlicher Ort für Gegenwartskunst, aber einer, der Weltstars anzieht. Seit 1991 lädt die Stadt Pulheim nahe Köln jährlich einen Künstler ein, der die ehemalige Synagoge Stommeln als Ausstellungsfläche nutzen darf. Die Amerikaner Richard Serra und Sol LeWitt waren hier, die Deutschen Georg Baselitz und Rosemarie Trockel. Vor zwei Jahren sorgte der Spanier Santiago Sierra für einen Skandal, weil seine Idee darin bestand, Kohlenmonoxid in das Gebäude einzuleiten und den Besuchern Gasmasken aufzusetzen. 2008 haben die Initiatoren den Italiener Maurizio Cattelan, 47, gewonnen, am kommenden Sonntag stellt er sein Werk vor. Er ist berühmt, auch berüchtigt, sagt jedoch selbst: »Die Wirklichkeit ist provokanter als meine Kunst.« Aber immerhin hat er schon Plastiken eines betenden Hitlers und eines von einem Meteoriten niedergestreckten Papstes in die Kunstwelt eingespeist. Auch in Pulheim soll es im weitesten Sinn um Religion gehen, Cattelan bezieht außer der früheren Synagoge die Kirche der Ortschaft ein. Der Künstler ist im jüdischen Viertel einer katholischen Stadt aufgewachsen, aber im Grunde sei er, der einstige Messdiener, »im Schatten des Kreuzes groß geworden«. Das zentrale Motiv wird der Tod sein, »das interessanteste Thema überhaupt«. Man hört, es werde unter anderem die Skulptur einer Frau in einer Transportkiste zu sehen sein. Die Einladung zeigt ein Plüschtier auf einem Bahngleis. Wirkt bizarr, lässt auf Aufregungspotential schließen. Cattelan betont, er entscheide erst in letzter Minute, was er tatsächlich zeige.

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