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KARIKATUREN Franz Josef I.

Bayerns Landesmutter Marianne will aus Karikaturen über ihren Franz Josef Kapital schlagen, ernsthaft. *
aus DER SPIEGEL 4/1984

Die Geschichte, in der »Bayern wieder Königreich« wird, fängt mit einer »Plauderei am Kamin« an: »Marianne«, artig im Blümchenkleid, kaffeetrinkend, meint, wenn sie doch schon »überall die Landesmutter« sei, könne man ja »gleich die Konsequenzen ziehen und mich zur Königin machen«.

Der angesprochene »Franz Josef«, in Pantoffeln und beim Bocksbeutel, ist durchaus geneigt: »Guat, dann machmas'. Verbind' mich bitte mit dem Stoiber ... ab heut' is Bayern wieder Monarchie, und morgen is Inthronisation.«

Die Restauration des bayrischen Königreichs trug sich so im Herbst vergangenen Jahres zu. Sie war das erste Kapitel von »Franz Josef I.«, einem im Süddeutschen Verlag erschienenen Karikaturen-Buch (160 Seiten; 26 Mark) des Münchner Zeichners und TV-Redakteurs Dieter Hanitzsch, der den bayrischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß stets liebevoll auf die Schippe nimmt. Als seine Krönungsgeschichte auf einem Gala-Empfang für Presse und Publikum präsentiert wurde, lachte sich Familie Strauß kaputt.

Inzwischen findet die Landesmutter Marianne Strauß das Werk des Zeichners, der sich in Buchform schon 1978 ("Ich, Franz Josef") und 1979 ("Ich und die anderen") mit ihrem Mann befaßt hat, nicht nur komisch. Vielmehr betrachtet sie die Bilderbände, die eine Auflage von fast 120 000 Exemplaren erreicht haben, nun allen Ernstes als eine Einnahmequelle - für Vater Strauß und seine bedürftige Familie.

Aus eigenem Antrieb, wie sie versichert, und als seien Tantiemen für die Titelfigur des Karikaturisten eine Selbstverständlichkeit, kam Mutter Marianne dem Verlag zur Jahreswende mit einer flotten Forderung: »Leider vermisse ich immer noch Ihre Abrechnung eines Honorars für die Karikaturenbände ... Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie das Honorar für die Abrechnungszeiträume 1981 mit 1983 in Höhe von 15 Prozent demnächst überweisen würden.«

Mitkassieren will die diplomierte Volkswirtin, weil sie die Bilder-Bücher für eine »wirtschaftlich bedeutende Nutzung« hält, »wie die hohen Auflagen und die neue Taschenbuchausgabe einwandfrei beweisen« würden. Nebenbei geht es ihr aber auch »ums Prinzip«, und dafür will sie »unter Umständen einen Musterprozeß« wagen. Sonst werde womöglich »als nächstes eine Franz-Josef-Strauß-Butter vertrieben und ein Schinken und ein Bierkrügel«.

Größer scheint freilich das Risiko, daß Bayerns Erste Dame sich lächerlich macht. Denn nach dem Kunsturheberrechtsgesetz können Karikaturen von Politikern und anderen »Persönlichkeiten der Zeitgeschichte« honorarfrei und ohne Zustimmung der Betroffenen veröffentlicht werden. Und über die historische Dimension eines »Herkules der Politik« (Strauß über Strauß) helfen auch die von Marianne Strauß angedrohten juristischen Gutachten kaum hinweg.

Vielleicht gibt es ja auch andere Gründe für Frau Mariannes Eifer: Der Mann im Hause bringt als Ministerpräsident nur 20 000 Mark monatlich heim. Die familieneigenen Mietshäuser in München geben, trotz eines von Frau Strauß angestrengten Prozesses um Mietpreiserhöhungen, auch nicht das her, was sie sollten. Und die ererbte Brauerei der geborenen Zwicknagl gehört leider schon längst dem Spatenbräu.

So gesehen, wurde die Honorarforderung der Ministerpräsidentengattin schon letzte Woche, gleich nach Bekanntwerden in der »Süddeutschen Zeitung«, reif für Satire und Kabarett. Hanitzschs Karikaturisten-Kollege Ernst Maria Lang zeigte sich erst »ganz sprachlos«, was »aber Wurst« sei bei einem Zeichner, dann fielen ihm doch noch ein paar Worte ein:

Es sei zwar »bekannt, daß die Geilheit, vor allem aufs Geld, weit verbreitet ist. Daß aber auch die Landesmutter davon befallen ist, sollte als höchst interessanter Sachverhalt von Sozio-, Polito- und Psychologen untersucht werden«.

In den Münchner Kammerspielen bekamen Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt am Donnerstagabend gar tosenden Applaus - sie hatten lediglich den Forderungsbrief an den Süddeutschen Verlag verlesen, einschließlich der angegebenen Konto-Nummer 2157600 bei der Deutschen Bank, München.

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