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Frederic Rzewski, 83

aus DER SPIEGEL 27/2021
Foto: Hiroyuki Ito / Getty Images

Es klingt, als fiele das vereinte Volk auseinander – und setzte sich mit Kraft wieder zusammen. Hatten sich eben noch die Klavierklänge reibungslos ineinandergefügt, zerlegen die Finger des Pianisten nun jeden Anflug von Harmonie in Stücke. Der Pianist heißt Frederic Rzewski und das vereinte Volk eigentlich »The People United Will Never Be Defeated!«. Es ist ein Hauptwerk des US-amerikanischen Komponisten und Klavierspielers, man kann Rzewski auf YouTube dabei zuschauen, wie er es spielt: 36 Variationen eines chilenischen Kampflieds, die zeigen sollten, dass die Vereinigung des Volks ohne Mühe nicht zu meistern sei. Eine großartige Tour de Force, für jene, die zuhören, und jene, die spielen. Zu Letzteren gehört der Pianist Igor Levit, der dem SPIEGEL über Rzewski mal sagte, der Komponist habe etwas mit seinem Spiel gemacht. Und mit seinem Kopf. Frederic Anthony Rzewski widmete sich zeitgenössischer Musik auch als Ausdruck politischen Bewusstseins. Neben »People« schuf er Werke wie »Coming Together«, das nach einem blutigen Aufstand in einem US-Gefängnis entstand. Und er spielte, was als nahezu unspielbar galt, zum Beispiel Karlheinz Stockhausens »Klavierstück X«. Der Sohn eines polnischen Emigranten kam in Westfield, Massachusetts, zur Welt und begann als Kind mit dem Klavierspiel. Er studierte in Harvard, Princeton und Florenz und lehrte bis zu seinem Tod Komposition am Konservatorium in Lüttich. Frederic Rzewski starb am 26. Juni im italienischen Montiano.

skr
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