Carola Padtberg

Lesen, Sport, streamen Was unsere Kunstredakteurin an diesem Wochenende macht

Wie noch gut durch den Shutdown kommen? Der SPIEGEL gibt Beschäftigungstipps. Heute: drei Empfehlungen von unserer Fachfrau für Kunst und Feminismus.

Was ich lese:

Foto:

Jens Kalaene / picture alliance / dpa

Gänsehaut gegen schlaffe Haut

Sophie Passmann hat vor einigen Wochen ein neues Buch herausgebracht und sagt seitdem in jedem Interview, wie toll sie es finde, älter zu werden – auch in der Büchershow des SPIEGEL. »Es ist der Knaller, kann ich nur jedem empfehlen«, bejubelte sie anderswo den Prozess wie ein neu entdecktes Rezept. Leider ist mir der Vorteil des Älterwerdens bisher nicht klar geworden. In Passmanns Alter von 27 Jahren war mir das Thema einfach egal, und seit Mitte Dreißig – dem Alter, auf das sich Passmann besonders freut – geht es kontinuierlich bergab. Vielleicht verrät mir Sophie Passmann das Geheimnis, wie man den eigenen Niedergang umarmen kann. Ihr Buch soll außerdem sehr witzig sein, schrieb mein Kollege Tobias Becker im SPIEGEL, mit »Sätzen, bei denen man den Like-Button sucht.« Deshalb kann ich die Lektüre kaum abwarten.

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Passmann, Sophie

Komplett Gänsehaut

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Seitenzahl: 192
Für 19,00 € kaufen

Preisabfragezeitpunkt

02.02.2023 08.21 Uhr

Keine Gewähr

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Was ich übe:

Foto: privat

Melbourne Shuffle auf TikTok

Es geht nicht anders, für eine ausgeglichene Gemütslage muss ich mich regelmäßig bewegen, am besten zu lauter Musik. Im Lockdown bei Aprilwetter ist das schwierig, aber das Videoportal TikTok  hilft mir weiter. Dort filmen sich Amateure beim Tanzen. Sie hotten vorm Garagentor ab, in der Küche oder im Hausflur, aufgemotzt oder im Schlabberlook, jeder macht die anderen nach, es ist sehr sympathisch. Mich locken die Tutorials für Shuffle, einen Tanz, der in den frühen Neunzigerjahren zu Acid House entstand. Shuffling ist anstrengend, man muss permanent hüpfen dabei, aber das will ich jetzt täglich tun. Für die gute Laune. Die Tänzerin Isabell Malavasi  etwa gibt zweimal wöchentlich live Unterricht. Weil ich aber gern ohne feste Zeitvorgaben übe, habe ich mir wie von der Community empfohlen Markierungen auf den Boden geklebt . Bald werde ich den Running Man Move draufhaben und danach auch Polly Pocket und den T-Step und so fröhlich grinsen wie Isabell Malavasi. Aber filmen werde ich mich dabei nicht, versprochen.

Was ich schaue:

Feministische Körperkunst

Die Diskussionen um weibliche Schönheitsideale, Body Shaming und Lookismus ermüden mich. Diese Themen sind wahnsinnig wichtig, aber müssten sie nicht wirklich langsam mal allen klar sein? Warum ist ein weiblicher Körper immer noch so rasch eine Provokation? Und warum definieren immer noch andere, was eine Grenzüberschreitung ist? Fragen wie diese untersucht eine Dokumentation über Künstlerinnen, die ihren eigenen Körper für ihre feministischen Werke einsetzen. Er begleitet etwa die französische Performerin ORLAN, die sich zwei Beulen in die Stirn implantieren ließ und dem SPIEGEL mal sagte : »Es gibt keine Schönheit«. Ihre Performances auf OP-Tischen werden seit Jahren diskutiert. Künstlerin Annique Delphine schafft Skulpturen aus Anti-Stress-Knetbällen, die die Form von Brüsten haben. Der weibliche Körper als Ventil zum Abreagieren? Spätestens da muss jeden klar werden, wie wichtig Selbstermächtigung ist.

»My Body – My Art. Frauen. Körper. Kunst.« Bis 4. September in der 3sat Mediathek 

Was mich amüsiert: Aurel Mertz

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Der Comedian Aurel Mertz  holt mich immer wieder ab. Vor einem Jahr war »Tiger King«–Hochphase. Seitdem besitze ich eine rosafarbene, mit kleinen Tigern bedruckte Bluse, die aber im Homeoffice selten zum Einsatz kommt (müsste ja sonst gebügelt werden). Vielleicht hole ich sie mal wieder raus.

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