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Gestorben Friedrich Christian Delius, 79

aus DER SPIEGEL 23/2022
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Isolde Ohlbaum / laif

Mit ihm musste man rechnen, bis zuletzt. Nur zwei Wochen vor seinem Tod veröffentlichte der Schriftsteller noch einen Text, mit dem er mit Wumms aus dem PEN austrat und dem Verein Kleingeisterei vorwarf. Das Büchermachen, hat er mal gesagt, verstehe er »als Aufklärung, also als politische Praxis«. Bevor Friedrich Christian Delius zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Nachkriegsgeneration werden konnte, arbeitete er als Lektor. Bereits mit 18 Jahren hatte er erste eigene Gedichte veröffentlicht. Delius, 1943 in Rom als erstes von vier Kindern geboren, sollte etliche Bücher schreiben. Darunter zum Beispiel »Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus«. 2011 erhielt er den Georg-Büchner-Preis. In der Jurybegründung hieß es damals, dass Delius als »kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter« in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt habe – »bis in die unmittelbare Gegenwart«. Sein erster Lektor und Wegbegleiter Michael Krüger sagte über Delius: Er sei »ein Mosaikenkünstler, der die Steinchen der Erinnerung und der Einbildungskraft sorgfältig zusammensetzte«. Friedrich Christian Delius starb am 30. Mai in Berlin.

xvc
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