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FRIEDRICH HACKER

aus DER SPIEGEL 44/1970

ist Professor für Psychiatrie an der University of Southern California, außerdem Gründer und Leiter der Hacker-Kliniken für Psychiatrie in Lynwood, einem Arbeiterviertel, und in Beverly Hills, der Prominentengegend von Los Angeles. Als Präsident der 1968 gegründeten Sigmund-Freud-Gesellschaft erreichte der 56jährige Emigrant aus Wien (1938) die Aussöhnung der in London lebenden Freud-Tochter Anna mit Osterreich (SPIEGEL 45/1969). Hacker, der zeitweise eng mit Theodor W. Adorno und dem Frankfurter Institut für Sozialforschung zusammengearbeitet hat, erstellte nach dem Sharon-Tate-Mord für die Polizei ein Psychogramm der möglichen Täter, das zur Festnahme der Manson-Gruppe beitrug. Seit längerem arbeitet er an einem Buch über Aggression, das im Molden-Verlag erscheinen wird. Die kalkulierte Gewalt von Guerilla-Aktionen wie der Tötung entführter Geiseln in Kanada, Uruguay und Guatemala, der Erschießung von Polizisten in den USA und der palästinensischen Flugzeugentführungen hat in der Öffentlichkeit zum Protest gegen die Anwendung von Gewalt in der Politik geführt -- und bei den betroffenen Regierungen zur massiven Unterdrückung der jeweiligen Opposition. Dabei blieb gewöhnlich die ungleich wirksamere Rolle der versteckten, latenten Gewalt im Alltag ebenso unbeachtet wie die Frage, ob sich in der modernen Leistungsgesellschaft diese latente Aggression verstärkt habe. Abschaffen, so weiß man seit Freud, läßt Aggression sich ohnehin nicht; auch Alexander Mitscherlich hält »die Annahme eines primären Destruktionstriebes für hinreichend gerechtfertigt«.

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