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AUSSTELLUNG Frivole Zeiten

aus DER SPIEGEL 41/2003

Die Franzosen nennen ihn den »Maler des Glücks": Auf heiter flirrenden Ölbildern feierte der Rokokokünstler François Boucher (1703 bis 1770) das Leben, die Liebe und die Lust seiner Zeitgenossen an flüchtigen Liaisons. Als Teenager brachte er es in seiner Heimatstadt Paris zu frühem Ruhm, Jahrzehnte später ernannte ihn Ludwig XV. zu seinem »ersten Maler«. Legendär ist Bouchers Fähigkeit, luxuriöse Stoffe und rundum gepuderte Häupter eindrucksvoll schimmern zu lassen - ebenso wie sein Talent, karrierefördernde Kontakte zu knüpfen (wie zur Königsmätresse Madame de Pompadour). Wohl auch, um sich und sein Publikum immer wieder aufs Neue von seinem Einfallsreichtum zu überzeugen, zauberte er unentwegt Ideen aufs Papier: Studien für Gemälde, Theaterkulissen und Buchillustrationen, Entwürfe für Tapeten, Porzellan und Skulpturen. Der Künstler gab als alter Mann die Schätzung ab, er habe 10 000 Zeichnungen geschaffen - lauter Kostbarkeiten in Pastell, Kreide und Tinte, die ungleich empfindlicher und vergänglicher sind als seine Gemälde. Kein Wunder, dass die erhaltenen Blätter - üblicherweise - unter Verschluss gehalten werden. Anlässlich von Bouchers 300. Geburtstag präsentiert die Frick Collection in New York von dieser Woche an eine Auswahl der Zeichnungen (bis 14. Dezember), darunter Skizzen idealisierter Landschaften und Akte, die so flüchtig und sinnlich wirken, als seien sie im Rausch entstanden. Passend für eine Epoche, die vor lauter Savoir-vivre und bukolischen Festen gern die Moral vergaß und den gestrengen Philosophen Denis Diderot dann doch eine »Reinigung der Sitten« fordern ließ.

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