Zur Ausgabe
Artikel 102 / 123
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kunst Fröhliche Akribie

aus DER SPIEGEL 35/1996

Genauigkeit war ihr Markenzeichen: Ob Pfauen, ehrbare Stadtväter oder gleich den Tod persönlich, alles malten die Herren tom Ring mit ungewöhnlicher Detailfreude. Die Akribie der vielseitigen Malersippe aus Münster, deren Werke das Westfälische Landesmuseum vom kommenden Sonntag an in der ersten großen Werkschau seit 40 Jahren zeigt, kam bei ihren vom Zeitgeschehen durchgerüttelten Mitbürgern stets an. Schon Vater Ludger, geboren 1496, stieg als Multitalent mit scharfer Beobachtungsgabe bis zur Spitze der Malergilde auf. Als 1535 das kurze, wilde Täuferregiment des Johann von Leiden vom vertriebenen Bischof blutig beendet worden war, fiel Ludger und seinen beiden Söhnen reiche Arbeit zu. Mit neuer Kunst am Bau machten sie wett, was die Ultraprotestanten zerstört hatten. Einziges Signal des Eigensinns in all dem gelassenen Zunftgeist: Ludger tom Ring der Jüngere, Feinarbeiter der Familie, ließ sich als Protestant 1569 in Braunschweig nieder.

Zur Ausgabe
Artikel 102 / 123
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel