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Gestorben Gangolf Stocker, 76

aus DER SPIEGEL 14/2021
Foto: Theodor Barth / laif

Arbeiterkind, Kunstmaler, Vermessungstechniker, Totalverweigerer und vor allem: Bahnkritiker. Das war Gangolf Stocker, der als Kommunalpolitiker 1999 eine Liste mit dem Namen »Parteilos glücklich« erfand. »Kein Stuttgart 21« war wesentlicher Programmpunkt: der Widerstand gegen das milliardenteure Großprojekt, bei dem ein Tiefbahnhof mit halb so vielen Gleisen den oberirdischen Stuttgarter Hauptbahnhof ersetzen soll – irgendwann, wenn die Bauherren denn mit den Schwierigkeiten um Brandschutz, Wassereinbrüche und anderes fertiggeworden sein sollten. Als die Debatte erst Stuttgart und dann das ganze Land umtrieb, als Kritiker das Projekt mit viel Sachverstand auseinandernahmen, kam oft der Vorwurf: Warum habt ihr nicht früher etwas gesagt? Er hatte. Stocker war eine Galionsfigur des Widerstands, der nicht zuletzt seinetwegen den Weg bis in die Wohnzimmer der Stuttgarter Bourgeoisie fand – obwohl dieser knurrige Widerständler als ehemaliger DKP- und PDS-Mann nicht unbedingt ihrem Milieu entsprang. Mit seiner Liste »Stuttgart – Ökologisch – Sozial« zog er später ins Rathaus ein und erwies sich als Stachel im Fleisch der Grünen, die vor Winfried Kretschmanns Wahlsieg gegen S 21 gewesen waren und nun ihren Frieden damit machten. Er blieb, wie er war, ebenso gewaltfrei wie stur. Gangolf Stocker starb am 26. März in Stuttgart.

bsu
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