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MUSIK-MARKETING Geklonter Schwarm

aus DER SPIEGEL 47/1997

Als Gil Ofarim vor ein paar Monaten von einem Straßen-Casting-Team des Teenie-Wochenblatts »Bravo« in der U-Bahn angesprochen wurde, war er auf dem Schulweg - allein und mitten im Stimmbruch. Nun erscheint seine erste Single »Round'n'Round (it goes)«, und wenn der 15jährige noch Zeit hat, den Unterricht zu besuchen, dann hängen meist »ein Dutzend kreischender Mädchen« an seinen Fersen. Die Anwerber vom zentralen Clearasil-Organ hatten Gil Ofarim überredet, bei einer Foto-Love-Story mitzuwirken. Er spielte die Rolle eines Popstars so glaubwürdig, wie es schon sein Vater, der israelische Sänger Abi Ofarim, in den sechziger Jahren getan hatte. Das fanden jedenfalls die Leser, die laut »Bravo« in mehr als 3000 Briefen und in über 10 000 Anrufen mehr von dem Langhaarigen forderten. Kein Problem. Flugs wurden Hochglanzposter und eine Homestory gedruckt. Seitdem freut sich Gil, daß die Mädchen »in der U-Bahn immer Bussi, Bussi« rufen. Weil ein richtiger Popstar aber auch einen Popsong braucht, besorgte »Bravo« dem Teenie-Schwarm prompt einen Plattenvertrag bei der Firma BMG Ariola. Nun weiß auch Papa Ofarim, was der Name seines Sohnes bedeutet: »In Hebräisch heißt Gil Freude, und genau die macht er mir jetzt mit seinem Erfolg.«

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