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ITALIEN Gemini IV

aus DER SPIEGEL 31/1965

Zum erstenmal in der Geschichte«, sinnt Modeschöpfer Marchese Emilio Pucci, »hat sich der Mensch frei im All bewegt. Daran kann die Haute Couture nicht vorbei.«

Der prominente Florentiner Couturier hat darum für seine Herbst- und Winterkollektion die Linie »Gemini IV« erdacht. »So wie US-Major White sich im Raum bewegt«, sagt der Marchese, »so wird sich die Frau von morgen bewegen - gekleidet mit jener puren Eleganz, die in der endlosen Einsamkeit des Alls herrscht.« In Rom und Florenz entstand der »Weltraum-Look«.

Morgens, nachmittags und abends trägt die Dame der neuen Saison enganliegende, geometrisch geschnittene Kleider und Mäntel, »deren Nähte gelötet scheinen« ("La Stampa").

Kopf und Gesicht bleiben verhüllt. Zum Après-Ski-Anzug wie zur großen Abendtoilette gehören »Weltraumkappen« mit Sehschlitzen.

Die Modefarben der Saison sind »Weltall-Töne": Stahlsilber und Kometengold, Platin- und Sternenschimmer, Feuerrot und Flammentürkis. Die KP-Zeitung »L'Unità« bemerkte eine »Rückkehr zum Rot«.

»Die Frau der Zukunft«, erläutert Cesare Biki, Modeschöpfer aus Florenz, »ignoriert die Brust, die sanft geebnet wird.«

Diese Einebnungs-Aktion der weltraumbesessenen italienischen Modemeister erscheint indes wirklichkeitsfremd. Die einzige Frau, die bislang im All war, würde nicht in die neuen Kosmoskeider passen. Oberweite der Sowjet-Astronautin Walentina Tereschkowa: 98 Zentimeter.

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