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Gestorben Gennadij Burbulis, 76

aus DER SPIEGEL 26/2022

Kaum jemand im postsowje­tischen Russland hatte den Titel »graue Eminenz« so verdient wie jener unscheinbare Mann, den Präsident Boris Jelzin im Sommer 1991 zu seinem Staatssekretär berief. Der Posten war eigens für ihn geschaffen, aufregend klang er nicht. Doch wurde der promovierte Philosoph aus dem Ural, der früher Marxismus unterrichtet hatte, zu einer der Schlüsselfiguren bei der Auflösung der Sowjet­union. Gennadij Burbulis, Sohn eines Militärfliegers, hatte baltische Wurzeln, sein Großvater stammte aus Litauen. Während der Perestroika stieß er in Moskau zur parlamen­tarischen Opposition und lernte Jelzin kennen. Der erkannte sein politisches Talent und seine Intuition, im richtigen Moment das Richtige zu tun. Burbulis organisierte 1991 für ihn die Kampagne zur Präsidentenwahl und war federführend bei der Belowescher Vereinbarung, die das Ende der UdSSR besiegelte und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten begründete. Das erste russische Reform­programm trug seinen Namen, er war es, der Premier Jegor Gaidar ins Amt brachte. Sein Ziel: ein modernes Land mit liberaler Wirtschaft. Weil stattdessen erst einmal Chaos ausbrach, wurde Bur­bulis für viele Russen zur Hassfigur. Ende 1992 zog Jelzin ihn zurück. Gegenüber dem SPIEGEL warnte Burbulis davor, dass den Sowjetkommunisten eine Revanche gelingen könnte. Unter Putin wirkte er noch sechs Jahre lang im Oberhaus des Parlaments. Gennadij Burbulis starb am 19. Juni im aserbaidschanischen Baku.

CN
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