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BÜCHER Gepeinigte Nerven

Wolfgang J. Fuchs, Reinhold C. Reitberger: »Comics. Anatomie eines Massenmediums«. Moos; 268 Seiten; 38 Mark.
aus DER SPIEGEL 4/1972

Donald Duck ist ein »anthropomorpher fall guy«; Charlie Brown ist ein »sensibler Humanist, dessen gepeinigtes vegetatives Nervensystem nie zur Ruhe kommt«; Snoopy ist »der perfekte Hedonist«; hypertrophierte Heroen wie Super-, Bat- und Spider-Man »gleichen Androgynen« ohne »primäres Geschlechtsorgan«.

H. C. Artmanns Prophezeiung, in absehbarer Zeit werde man über Comics »tiefgründige Abhandlungen schreiben und aufs subtilste klugscheißen«, hat sich erfüllt.

Der Zeitungswissenschaftler Fuchs, 26, und der Amerikanist Reitberger, 25, haben die anwachsende Zahl von Comics-Analysen um die bisher umfang- und kenntnisreichste Untersuchung bereichert. Als Materialgrundlage dieser »Anatomie« des als »system-perpetuierendes »big business"« beschriebenen Massenmediums diente ihre eigene voluminöse Privatsammlung von Comics.

Die Autoren geben sowohl einen Abriß der Comics-Historie als auch detaillierte Bestandsaufnahme und Beschreibung der einzelnen Serien von den »Katzenjammer-Kids« bis »Bianca Torturata«. Freilich hindern deskriptive Tendenz und Detailfreudigkeit (Zeittafel, Bibliographie und Register machen das Buch zum Nachschlagewerk) die Autoren daran, sozialpsychologische und ideologiekritische Ansätze weiterzuverfolgen.

Wem zur Anschauung das opulente Bildmaterial noch nicht ausreicht, der greife zur beigefügten Schallplatte mit Titelvorspännen bekannter Rundfunk-Comics. Da schreit Tarzan, »Lord of the Jungle«, da reitet »The Lone Ranger« »Hi-yo, Silver! Away"«

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