Zur Ausgabe
Artikel 63 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Gerhard Polt Der Millionärskundler

aus DER SPIEGEL 19/2022
Foto:

Sebastian Beck / SZ Photo / picture alliance

Der deutsche Kabarettist Gerhard Polt, der an diesem Samstag seinen 80. Geburtstag feiert, hat sich während der Zeit der Corona-Einschränkungen mit den Menschen seiner näheren Wohnumgebung beschäftigt. Polt lebt seit vielen Jahren am bayerischen Schliersee und ist auch viel am benachbarten Tegernsee unterwegs. Der ist bekannt als Wohngegend reicher Leute. Über Gemütslage und Umtriebe der ihm zum größten Teil persönlich bekannten Millionärinnen und Millionäre hat Polt Texte verfasst, die er soeben in dem Buch »Dr. Arnulf Schmitz-Zceisczyk« bei Kein & Aber veröffentlichte. »Ich nenne ihn den Homo Tegernseeniensis«, sagt er über den Menschenschlag, den der Titelheld, eine Art Alter Ego, darin beschreibt. Es handle sich um Leute, die auf der einen Seite stolz darauf seien, wie sehr sie in Einklang mit der oberbayerischen Naturidylle und der Trachtentradition lebten. »Auf der anderen Seite beschäftigt fast jeder einen Anwalt, der mit der Gemeinde prozessiert.« Mal gehe es um Mückenplagen auf dem eigenen Grundstück etwa wegen einer benachbarten Sumpfwiese, mal um vom winterlichen Räumdienst in Grundstückseinfahrten bugsierte Schneehaufen. »Ich habe mir gedacht, das ist eigentlich witzig«, sagt Polt. Da lebten die Leute so harmonisch in der Gegend, »und dann müssen sie doch dauernd prozessieren, bloß damit sie ihr Recht bekommen«. Polt selbst hat andere Probleme. Derzeit schelten ihn viele Meinungsmacher des Politik- und Mediengeschäfts, weil er zu den Erstunterzeichnern eines von »Emma« veröffentlichten Aufrufs an Olaf Scholz gegen die Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine gehört. Über die an ihm geäußerte Kritik sagt er, statt deutscher Waffenlieferungen, die zwangsläufig zur weiteren Eskalation des Kriegs führten, befürworte er ernsthafte Bemühungen um einen »anständigen Waffenstillstand«, auch aus Furcht vor einem dritten Weltkrieg. »Ich wünsche mir einen Sieg der Vernunft. Dazu stehe ich.«

höb
Zur Ausgabe
Artikel 63 / 71
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.