Kloster Tholey Gerhard Richter erklärt Kirchenfenster zu seinem finalen großen Werk

Im Kloster Tholey werden diese Woche neue Fenster enthüllt, entworfen vom wichtigsten lebenden Gegenwartskünstler Deutschlands: Gerhard Richter. Der 88-Jährige sieht sein Hauptwerk damit als abgeschlossen.
Gerhard Richter im Juni 2018

Gerhard Richter im Juni 2018

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Rolf Vennenbernd / dpa

Seine abstrakten Bilder werden in den wichtigsten Museen weltweit ausgestellt und erzielen auf internationalen Kunstauktionen Rekordpreise. Jetzt verabschiedet sich Gerhard Richter mit drei Fenstern in einer Abtei von der hohen Welt der Gegenwartskunst.

Die drei neuen Kirchenfenster im saarländischen Kloster Tholey seien voraussichtlich sein letztes großes Werk, sagte der 88-jährige Richter in Köln der Presseagentur dpa. "Das ist sicher meine letzte Werknummer", sagte Richter. Er habe ein Verzeichnis für all seine Werke. "Das fängt mit "Tisch" als Nummer eins an. Und die Fenster haben Nummer 957. Ja. Aus."

Dass er später noch große Malereien mache, glaube er nicht. "Kann ich mir nicht vorstellen. Da müsste ja ein Wunder geschehen." Wenn er jetzt noch was mache: "Dann zeichne ich nur und mache Entwürfe für Ausstellungen. Kleinere Sachen."

Mit der Umsetzung seiner Kunst auf den neuen Chorfenstern für die Abteikirche in Tholey sei er "sehr zufrieden". "Ich bin erstaunt. Ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass das so gut geht", sagte Richter. Zur Enthüllung der drei großen Kirchenfenster am Donnerstag werde er nicht vor Ort sein. Er habe aber Fotos von dem Einbau der Chorfenster gesehen.

Das erste der drei von Gerhard Richter entworfenen Fenster wurde Anfang August eingebaut

Das erste der drei von Gerhard Richter entworfenen Fenster wurde Anfang August eingebaut

Foto: Oliver Dietze / dpa

"Ich bin sehr zufrieden damit, dass die das schön hingekriegt hat, die Werkstatt", sagte Richter. Wenn es gesundheitlich klappe, werde er sich die Fenster in der frisch sanierten Abteikirche auch eines Tages anschauen. "Das habe ich schon vor, wer weiß wann das geht." 

Der 1932 in Dresden geborene Richter zählt zu den bedeutendsten und teuersten Gegenwartskünstlern weltweit. Bekannt wurde der gebürtige Dresdner unter anderem mit übermalten Fotos und Collagen, seine Werke sind von Pop-Art und abstraktem Expressionismus beeinflusst. Sein "Abstraktes Bild" wurde 2015 in London zum Rekordpreis von umgerechnet 41 Millionen Euro versteigert. Der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey hat Richter seine Kunst geschenkt.

Fenster werden am Donnerstag enthüllt

Die jeweils 1,95 mal 9,30 Meter großen Fenster werden am Donnerstag in der gotischen Abteikirche enthüllt. Richter hat die bunten Formen und Muster auf der Grundlage eines abstrakten Bildes durch wiederholtes Teilen und Spiegeln entwickelt. Die Motive stammen aus seinem Künstlerbuch "Patterns". Die Richter-Fenster sind in München in den Glaswerkstätten Gustav van Treeck gefertigt worden.

Dass es zu der Verbindung nach Tholey kam, sei ein "schöner Zufall" gewesen, sagte der gebürtige Dresdner. Als die Anfrage im Sommer 2018 aus dem Saarland kam, habe er gerade mit "diesen Mustern gespielt". Er habe gesagt, sie könnten es mit der Umsetzung auf die Fenster "sehr gern versuchen".

Tholey gilt mit der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 634 als ältestes Kloster Deutschlands. Heute leben zwölf Mönche aus fünf Nationen in der saarlandweit einzigen Abtei. Richter hatte zuvor schon mal ein Fenster für den Kölner Dom entworfen, das 2007 eingeweiht wurde.

jak/dpa
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