12. Documenta Kunst und Kapital

Eine der wichtigsten Ausstellungen für Gegenwartskunst, die Documenta in Kassel, ist nach Angaben ihres Leiters Roger M. Buergel in Finanznöten. Sein Geschäftsführer widerspricht ihm: Die Ansprüche des Kurators seien zu hoch.


Kassel - "Es gibt eine Not" sagte Roger M. Buergel, künstlerischer Leiter der 12. Documenta, der "Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen". Damit meint er vier Millionen Euro, die seiner Ansicht nach im Budget der Ausstellung fehlen. Vor Kurzem klang er noch optimistischer. Im SPIEGEL hatte er zwar von "monströs teuren" Herstellungskosten für einige Arbeiten gesprochen, sich ansonsten aber optimistisch gegeben. Der Documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld sieht nach wie vor keinen Grund zur Beunruhigung: Das Budget sei gesichert. Das Problem sei eher, dass Buergels Vorstellungen über den finanziellen Rahmen hinausgingen.

Documenta-Leiter Buergel: Zu hohe Ansprüche?
DPA

Documenta-Leiter Buergel: Zu hohe Ansprüche?

Die weltweit renommierte Ausstellung findet alle fünf Jahre statt - für diesen Zeitraum steht Buergel ein Etat von 19 Millionen Euro zur Verfügung. Eine Hälfte übernehmen die Stadt Kassel, das Land Hessen und die Kulturstiftung des Bundes. Den Rest muss die Documenta-Leitung selbst aufbringen: Das geschieht zum Teil über das Eintrittsgeld, den Verkauf von Katalogen oder Sponsoring.

Laut dem Zeitungsbericht müssen die Organisatoren jedoch im Gegensatz zur letzten documenta im Jahr 2002 unter erschwerten Bedingungen arbeiten: Wichtige Sponsoren, die beim letzen Mal noch dabei waren, sind abgesprungen - darunter Volkswagen und die Deutsche Bahn.

Buergel will die fehlenden Mittel jetzt mit einem "Documenta-Initiativkreis" auftreiben. Er konnte prominente Wirtschaftsvertreter wie Miuccia Prada, Arend Oetker und Christian Jacobs für diese Initiative gewinnen. Gemeinsam wollen sie überlegen, wie die Millionen beschafft werden können. Buergel stelle sich ein Netzwerk vor, das sich für Gegenwartskunst engagiert.

Der Kasseler Kunstprofessor und Designer Arnold Bode gründete 1954 die erste Documenta, um die von Nationalsozialisten als "entartet" bezeichnete abstrakte Kunst der zwanziger und dreißiger Jahre einem breiten Publikum zu zeigen. In den folgenden Ausstellungen verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Gegenwartskunst. Die Bedeutung der Kasseler Ausstellung ist vergleichbar mit der Biennale in Venedig.

Die Documenta läuft jeweils 100 Tage lang und wird daher auch "Museum der 100 Tage" genannt. Während dieser Zeit werden in der ganzen Stadt Kassel Kunstwerke ausgestellt. Zentraler Ausstellungsort ist das "Fridericianum". Es eröffnete 1779 und ist das erste öffentliche Museum Europas.

Einige Außenarbeiten sind von der langen Documenta-Tradition bis heute übrig geblieben. Besonders deutlich griff der Künstler Joseph Beuys mit seinem Projekt "7000 Eichen" in das Stadtbild ein: Von 1982 bis 1985 ließ der Künstler 7000 Bäume in Kassel pflanzen, jedem Baum wurde eine Basaltstele zur Seite gestellt, die der Künstler zuvor auf dem Friedrichsplatz abgeladen hatte. Dieser Steinhaufen war auf wenig Gegenliebe gestoßen, sobald die Stelen aber auf alle Bäume verteilt waren, beruhigten sich die Gemüter wieder. Die 12. Documenta findet vom 16. Juni 2007 bis zum 23. September 2007 statt.

amg/ddp



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