50 Jahre Emanzipation "Die Zivilisierung des männlichen Affen"

Von Reinhard Mohr

2. Teil: Kabarettist Horst Schroth, 59 - "durch die Frauenbewegung komplett weichgespült"


Der Schauspieler und Kabarettist Horst Schroth, 59, der Seinesgleichen gern auch "alte Hasen" nennt, hat schon längst, vor allem in seinen Soloprogrammen "Herrenabend" und "Katerfrühstück", die Kontur des zeitgenössischen Mannes gezeichnet: Schlank und fit, modebewusst und flexibel, aber auch kantig und karrierebewusst soll er sein. Er hat ein soziales Herz, aber wenn es darauf ankommt, macht er wenig Worte und kurzen Prozess. Dann brettert er, wie Michael Ballack, das Ding mit Tempo 120 unter die Latte. Er ist ökologisch bewusst, aber bei Gott kein "Müsli". Immer noch trinkt er Pils statt Bionade. Dennoch ist er einfühlsam und im Fall des Falles ein furchtbar lustiger, unterhaltsamer Papi.

Fast möchte man fragen: Was soll dieser Wunderknabe denn noch alles sein, bitteschön - jener "neue Mann", den Ina Deter vor einem Vierteljahrhundert lautstark gefordert hat? Schroth, im sommerlich hellen Anzug und schönen braunen Schuhen zum Rapport erschienen, versteht die ganze Aufregung nicht: "Meine Generation ist doch durch die Frauenbewegung komplett weichgespült worden. Von Anfang an sind wir auf der neuen Welle mitgesurft. Das fing schon in den Wohngemeinschaften an." Als Absolvent der guten alten "Schule der Nation" namens Bundeswehr konnte ihn auch kein noch so ausgefeilter WG-Putzplan aus der Bahn werfen: "Den gab es auch beim Bund. Trotzdem haben die Frauen öfter sauber gemacht als wir." Um die autonomen Frauenkneipen, damals für Männer absolute No-go-Areas, machte er einfach einen großen Bogen. Genauso geschickt wich er "Hardcore-Feministinnen" aus - ein aktives Vermeidungs- und Anpassungsverhalten, das intuitiv den Gang der Geschichte vorwegnahm. Der Fortschritt ist eben auch ein Schneckerich.

Geradezu vorzeitlich mutet dagegen sein Erlebnis in der Bahnhofsapotheke von Schwerte/Westfalen irgendwann zu Beginn der siebziger Jahre an, als ihm auf seine schüchtern vorgebrachte Frage nach Kondomen entgegengeschleudert wurde: "So’n Schweinkram führen wir nicht!" Heute sagt er: "Die Männer sind in der Zwickmühle. Sie dürfen weder ein Schluffi sein noch ein unsensibles Schwein. Ständig müssen Verhalten und Selbstbild zwischen diesen beiden Polen neu justiert werden. Über den landläufigen "Softie"-Typus hat Schroth, der seit 32 Jahren mit derselben Frau verheiratet ist, sich mit einem T-Shirt lustig gemacht. Auf ihm steht: "Schlecht im Bett. Sonst ganz nett." Es fand reißenden Absatz gerade unter durchaus nachdenklichen, selbstkritischen Männern.

Wem diese Auskunft intellektuell nicht befriedigend erscheint, der muss in Horst Schroths aktuelles Soloprogramm kommen. Titel: "Wenn Frauen fragen".



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