"50 pro Semester" ProSieben verschiebt umstrittene Soap

Eine der schnellsten Sendetermin-Verschiebungen der deutschen Fernsehgeschichte: Nach der öffentlich geäußerten Kritik an der Pseudo-Dokusoap "50 pro Semester" hat ProSieben den Start auf einen Termin später im Jahr 2010 verlegt.
ProSieben-Kritikerin Haderthauer: Schneller Erfolg

ProSieben-Kritikerin Haderthauer: Schneller Erfolg

Foto: DAPD

Hamburg/München - Der katholische Bischof von Hamburg, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes von Schleswig-Holstein und die bayerische Familienministerin - die Phalanx der Kritiker der neuen ProSieben-Soap "50 pro Semester" war vergleichsweise überschaubar. Doch sie reichte aus, um das Projekt vorerst zu stoppen.

In der fingierten Dokusoap, im TV-Branchendeutsch "Scripted Reality" genannt, sollten vom 18. Januar an fünf von Schauspielern dargestellte Studenten vermeintlich darum wetteifern, wer 50 Frauen oder Männer in einem Semester ins Bett bekommt.

"Moderne Kopfgeldjagd" und "peinlich" lautete das Urteil der Kritiker - obwohl sie noch keine Minute der Sendung gesehen hatten. Das reichte aus. Nur wenige Stunden, nachdem die Kritik laut geworden war, reagierte der Münchner Sender: "Aufgrund der öffentlichen Diskussion" werde das Programm auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr 2010 verschoben, erklärte Sendersprecher Christoph Körfer am Donnerstag.

Dabei war viel weniger passiert als vor Ausstrahlung der RTL- Reihe "Erwachsen auf Probe" im Sommer. Damals hatte es große Aufregung um das Format gegeben, in dem Teenager fremde Babys und Kinder versorgen mussten, um sich als Eltern zu bewähren. Eine Allianz aus Kinder- und Medienschützern, Politikern und besorgten Bürgern kritisierte, Babys und Kleinkinder würden zu kommerziellen Zwecken Stress ausgesetzt. Sie versuchten, die Sendung mit Klagen, Strafanzeigen und Beschwerden zu stoppen - ohne Erfolg. Für RTL bedeutete dies auch viel kostenlosen Werberummel - entsprechend überdurchschnittlich waren die Quoten der ersten Sendungen.

ProSieben ist einer ähnlichen Debatte nun aus dem Weg gegangen - verteidigt "50 pro Semester" aber: "Wir reden hier von einer Soap mit jungen Menschen, welche Spaß am Leben, an der Liebe und selbstverständlich auch am Sex haben", sagte Körfer. So etwas dürfe auch am Nachmittag im TV thematisiert werden. Außerdem betreue die Abteilung "Jugendschutz und Programmberatung" das Projekt, "hier finden alle jugendschutzrelevanten Aspekte Beachtung, und somit ist auch gewährleistet, dass sowohl medienrechtliche Vorschriften als auch Ethik und Moral sich hier widerspiegeln".

Auf die Frage, ob die unerwartet eilige Verlegung des Sendetermins noch weitere, über öffentlich geäußerte Kritik hinausgehende Gründe haben könnte, wollte sich eine Sprecherin des Senders auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern - ebenso wenig dazu, ob die Serie nun überarbeitet werde.

sha/dpa
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