Razzia und Festnahmen Ägypten geht gegen letztes freies Medium vor

Das Onlineportal Mada Masr veröffentlicht auch regierungskritische Inhalte. Bei einer Razzia beschlagnahmten Sicherheitskräfte Laptops und nahmen mehrere Journalisten fest.

Einer der wenigen Proteste in Kairo, September 2019: Onlineportal Mada Masr berichtete
Oliver Weiken/ DPA

Einer der wenigen Proteste in Kairo, September 2019: Onlineportal Mada Masr berichtete


Ägyptens autoritäre Führung ist gegen das letzte regierungskritische Medium in dem nordafrikanischen Land vorgegangen. Die Nachrichtenseite Mada Masr berichtete über Twitter, Sicherheitskräfte in Zivil seien am Sonntag bei einer Razzia in ihre Kairoer Redaktion eingedrungen und hätten die Mitarbeiter rund drei Stunden festgehalten.

"Sie haben alle Laptops und Handys unserer Mitarbeiter beschlagnahmt und verweigerten uns Auskunft über ihre Identität", schrieb das Onlineportal auf Twitter.

Drei Mitarbeiter seien festgenommen und für mehrere Stunden zur Staatsanwaltschaft gebracht worden, darunter Chefredakteurin Lina Attalah. Einem Anwalt sei der Zugang verwehrt worden. Inzwischen seien die Journalisten wieder frei, hieß es auf Twitter.

Bereits am Samstag hatten Sicherheitskräfte einen anderen Redakteur der Nachrichtenseite festgenommen, wie diese meldete. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer "gefährlichen Eskalation" und forderte die Freilassung.

Ein Antiterrorgesetz sieht Strafen für Journalisten vor, die nach Anschlägen in ihrer Berichterstattung von der Regierungslinie abweichen. Mada Masr ist das letzte Medium Ägyptens, das kritisch über die Regierung berichtet. Damit findet die Nachrichtenseite international große Beachtung, da es in dem Land kaum noch eine freie Presse gibt. Die Seite selbst wird in Ägypten seit mehr als zwei Jahren blockiert, genauso wie andere regierungskritische Medien.

lmd/dpa



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