Ärger um Werbefilm ZDF-Chefredakteur maßregelt Müller-Hohenstein

Fußball-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein arbeitet derzeit in Südafrika für das ZDF, in Deutschland wirbt sie für eine Molkerei. Bisher kein Problem. Doch jetzt überrascht ZDF-Chefredakteur Peter Frey seine Mitarbeiterin mit einer klaren Ansage - und die fühlt sich unter Druck gesetzt.
Moderatorin Müller-Hohenstein auf der Weihenstephan-Website: Kalt erwischt

Moderatorin Müller-Hohenstein auf der Weihenstephan-Website: Kalt erwischt

ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein macht PR für eine Molkereifirma. In einem Werbefilm besucht sie für den sogenannten Qualitätsbeirat von Weihenstephan die Produktionsstätten. Der kurze Clip findet sich, etwas versteckt, auf der Website des Unternehmens.

Peter Frey

Das ist nicht weiter ungewöhnlich, viele Aushängeschilder der öffentlich-rechtlichen Sender verdienen nebenbei Geld dazu. Der neue ZDF-Chefredakteur sieht das weniger gelassen: "Ihr Internet-Auftritt auf den Seiten von Weihenstephan ist nicht glücklich und kann so nicht bleiben", sagte er der Branchenzeitschrift "Medium Magazin". "Ich gehe davon aus, dass dieser Internet-Auftritt schon bald Geschichte ist."

Der Vertrag entspreche "nicht den Vorstellungen des ZDF von Auftritten seiner journalistischen Köpfe", sagte Frey der Zeitschrift weiter. Das habe er Müller-Hohenstein auch so mitgeteilt. Ein ZDF-Sprecher bestätigte diese Aussagen Freys. Das "Medium Magazin" hatte ihn in der vergangenen Woche mit den Aktivitäten seiner Moderatorin konfrontiert.

Bei Müller-Hohenstein sorgt diese Darstellung des ZDF zumindest teilweise für Irritationen. Sie will erst jetzt - und zwar zuerst aus der Presse - von der Verstimmung bei dem Fernsehsender erfahren haben, in dessen Auftrag sie derzeit für die WM in Südafrika ist. Das Zitat im "Medium Magazin" sei so nicht richtig, erklärte ihr Management auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Erst diesen Freitag habe Müller-Hohenstein einen Anruf von Frey bekommen. Da berichteten Branchendienste längst über die Schelte des Chefredakteurs.

Unter Druck gesetzt

Nikolaus Brender

Freys Vorgänger soll den Vertrag zwischen Oktober und November des vergangenen Jahres selbst abgesegnet haben. Darauf verweisen sowohl das Management von Müller-Hohenstein als auch Weihenstephan selber: Alles mit dem ZDF abgestimmt. Doch Frey will offenbar strengere Regeln durchsetzen und seinen Mitarbeitern das Werben verleiden, um das journalistische Ansehen des Hauses zu stärken.

Bei der bayerischen Großmolkerei zeigt man sich verwundert über die deutlichen Worte des ZDF-Chefredakteurs. Noch bis Ende des Jahres laufe der Vertrag mit Müller-Hohenstein, sagte eine Sprecherin zu SPIEGEL ONLINE. Geplant seien bis dahin eigentlich ein bis zwei weitere Werbefilme.

Seit Januar sei die ZDF-Sportfrau für das Unternehmen als Schirmherrin des "Qualitätsbeirats" tätig. Bisher ist sie in jenem kurzen Film zu sehen, in dem sie vier Besucher durch den Betrieb führt und über gesunde Ernährung spricht. Sie tritt schlicht als Moderatorin auf, das ZDF wird namentlich nirgends erwähnt. Ihr Management spricht von Kooperation statt von Werbung; schließlich halte Müller-Hohenstein kein Produkt in die Kamera oder preise die Vorzüge der Marke.

Die Moderation werde jetzt versuchen, aus dem Vertrag mit Weihenstephan auszusteigen, teilte das Management mit. Sie fühle sich unter Druck gesetzt. Denn ihren Job beim ZDF will sie behalten.

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