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AfD-Politiker Konrad Adam: Christlich-islamische Konfrontation

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AfD-Politiker Konrad Adam Die Glaubenskrieger sind unter uns

Wie die "FAS" einmal den Brandstifter als Biedermann auftreten ließ: Der AfD-Politiker Konrad Adam beschwört in einem Zeitungsartikel die Konfrontation mit dem Islam - und erweist sich dabei als Pegida-Vordenker.

Es gibt Zeitungsartikel, die haben scheinbar gar keine Aktualität, bei genauerem Hinschauen aber eine umso größere. Ein solcher Text ist in der neuen Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zu finden. Prominent platziert auf Seite zwei steht dort die Überschrift: "Wie die Christen schon einmal die Türken schlugen".

Der schnurrigen Zeile im Stile einer Kalendergeschichte Johann Peter Hebels folgt eine im hausväterlichen Ton vorgetragene, gänzlich harmlos eingeleitete Anekdote aus der Welt gutbürgerlicher Salonintellektueller: "Vor einigen Jahren war ich, zusammen mit einigen Wissenschaftlern und einer Handvoll befreundeter Kollegen, für einige Tage in Rom, um dort den Feierlichkeiten beizuwohnen, mit denen die Übergabe eines hochdotierten Preises üblicherweise begangen wird." Begriffe wie "Piazza Navona", "San Luigi dei Francesi" geleiten den Leser durch ein "zweiflügeliges Portal" in die "weiträumige, großzügig aber nicht üppig eingerichtete Wohnung" eines Marchese.

Ein stimmungs- und stilvolles Unterfangen wird hier geschildert, könnte man meinen, hätte die "FAS" ihre Leser in der Autorenzeile nicht zumindest halb über den Mann informiert, der hier in der ersten Person schreiben darf: Es ist "der AfD-Politiker Konrad Adam".

"Christliche Streitkräfte"

Was die Sonntagszeitung ihren Lesern dabei verschweigt, ist eine nicht ganz unwesentliche Bindung zum Gastautor: Der 1942 geborene Adam war über zwei Jahrzehnte Redakteur des "FAS"-Mutterblatts, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch nach Erreichen des Rentenalters hat er regelmäßig für sie geschrieben.

Man könnte dies als unbedeutende Nachlässigkeit abtun, ließe sich der einstige "FAZ"-Feuilletonist Adam an einem Wochenende wie diesem journalistisch tatsächlich ohne jeden redaktionellen Arg allein als "der AfD-Politiker Konrad Adam" präsentieren. Informativer gewesen wäre der Hinweis, es handele sich um den in einen heftigen innerparteilichen Machtkampf verwickelten, dabei vom Bundesvorstand Hans-Olaf Henkel schärfstens angegriffenen AfD-Politiker Konrad Adam.

Hinzufügen ließe sich zudem: Den AfD-Politiker Konrad Adam, der diesen Text kaum ohne Hintergedanken verfasst haben dürfte. Wenn auch ein Gutteil des Beitrags den Eindruck vermitteln mag, hier ginge es um ein marginales Ereignis "vor einigen Jahren" und zudem um ein historisches Datum, das sich derzeit so gar nicht jährt, die Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 - im letzten Abschnitt wird Adams Botschaft umso deutlicher.

Nahe der Festung Lepanto, gelegen im Golf von Patras, schlug die "Heilige Liga", eine Allianz aus Spaniern, Maltesern und italienischen Kleinstaaten, die Flotte des türkischen Großadmirals Ali Pascha. Aus einer Handvoll kriegsführender Mächte "die Christen" zu machen, ist angesichts eines Ereignisses, das ein halbes Jahrhundert nach der mitteleuropäischen Reformation und der damit verbundenen neuerlichen Glaubensspaltung stattfand, mehr als vereinfachend.

Faszination für Kriegsflagge

Führt aber womöglich ebenso zu Adams eigentlicher Botschaft wie die Pointe des Textes: Da erweisen sich die "christlichen Streitkräfte als disziplinierter und stärker. Die Türken verloren an die 180 Schiffe, die Liga nur zwölf. Und sie befreite an die 12.000 christliche Galerensklaven, die für die Türken hatten rudern müssen." Man könnte auch sagen: Patriotische Europäer kämpften gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Wie sein Parteifreund Alexander Gauland sucht Konrad Adam die Nähe zu Pegida auf bildungsbürgerlich verbrämte Art. Dies wäre seine Sache. Dass die "FAS" den Brandstifter als Biedermann auftreten lässt, ist eine andere. Mit der Veröffentlichung von Adams Beitrag schlägt sie sich im AfD-Machtkampf nicht nur auf die Seite eines ehemaligen Kollegen, sondern auch auf die der Abendländisch-Konservativen.

Wie die Pegida-Marschierer beschwört Adam eine Frontstellung zwischen von der christlichen Tradition geprägten Europäern und einem angeblich expansiv-aggressiven Islam - und liefert den historisch nicht immer sattelfesten Demonstranten dabei en passant ein wenig Geschichtswissen.

Fast nebenbei kommt es in seinem Text zu einer vielsagenden Szene: Andächtig betrachtet Adam in Rom das Kriegsbanner des Liga-Befehlshabers, "eine Flagge aus weinrotem Brokat, mit Stickereien versehen".

Wann hat es in der jüngeren Vergangenheit zuletzt eine derartige öffentlich gemachte Faszination für eine Kriegsflagge gegeben? Bei den Kämpfern des IS.

Die Glaubenskrieger sind eben längst unter uns - in diesem Fall auf christlicher Seite.