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28. April 2016, 14:55 Uhr

Rechtspopulisten gegen Punkband

AfD scheitert mit Verbotsantrag gegen Slime-Auftritt

Seit Jahren schon tritt die altgediente Punk-Kapelle Slime beim Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai auf. Die Fraktion der AfD wollte das diesmal verhindern - die Band sei linksextrem.

Mit 98 zu fünf Stimmen lehnte die Hamburger Bürgerschaft am Mittwochabend einen Antrag der AfD-Fraktion ab, einen Auftritt der Punkband Slime auf dem Hafengeburtstag am 8. Mai zu verbieten. Die Senatsfraktionen von SPD, Grünen, den Linken und der CDU stimmten geschlossen gegen den Antrag. Das war deutlich.

Wobei die CDU sich genötigt sah, darauf hinzuweisen, der Vorstoß gehe in die richtige Richtung.

Die AfD wollte den Auftritt verhindern, weil es sich bei Slime um eine "extremistische Band" und "Hass-Musiker" handle, die mit ihren Darbietungen zum "Sprachrohr und Stichwortgeber auch gewaltbereiten Widerstands gegen die Polizei und zum Hit-Lieferanten für die linksextremistische Szene" geworden sei.

In ihrem Antrag bezieht sich die Bürgerschaftsfraktion der Rechtspopulisten auf zwei alte Songs der Punk-Urgesteine: "Wir wollen keine Bullenschweine" und "Deutschland muss sterben", beide von 1980. Wobei sich die AfD-Politiker anscheinend im Vorfeld nicht richtig informiert haben, denn über beide Songs ist schon lange gerichtlich entschieden: "Bullenschweine" ist seit 2011 indiziert und wird von der Band nicht mehr gespielt. Und "Deutschland" wurde vom Bundesverfassungsgericht schon im Jahr 2000 als Kunst im Sinne des Grundgesetzes eingestuft.

Abgesehen davon handelt es sich bei Slime um eine längst anerkannte stilprägende Band, ohne die deutsche Punkmusik nicht denkbar wäre. Nach der Gründung 1979 in Hamburg-Langenhorn fanden einige Parolen aus der Frühphase Verbreitung in der autonomen Szene. Später wurden die Songs ausgefeilter und die Texte verschlüsselter. Nach mehreren Auflösungen vereinte sich die Band 2009 wieder und veröffentlichte 2012 das Album "Sich fügen heißt lügen" mit Texten des anarchistischen Dichters Erich Mühsam.

Die AfD versucht nicht zum ersten Mal, gegen Slime vorzugehen. Schon 2015 störte sie sich an der Förderung der Stadt für das Dockville-Musikfestival, bei dem die Band aufgetreten war. Der sächsische Landesverband monierte im gleichen Jahr, der Sohn des sächsischen SPD-Chefs habe auf Facebook Werbung für einen Auftritt der "linksextremistischen und zu Gewalt aufrufenden" Band gemacht.

In ihrem neuen Song "Sie wollen wieder schießen dürfen" beschäftigt sich nun die Band mit der AfD und anderen rechtspopulistischen Organisationen. Ein Video dazu steht auf YouTube, die Einnahmen gehen an ProAsyl. Entsprechend äußerte sich die Band zu der Abstimmung der Bürgerschaft auf ihrer Facebook-Seite. Sie schrieb: "Erfreut hat uns allerdings, das die AFD unfreiwillig für unseren neuen Song -'Sie wollen wieder schiessen dürfen' Werbung macht, und so zur Verbreitung des Anti-AFD/Pegida/Hogesa Inhalts beiträgt! Refugees Welcome! Sie wollen wieder schiessen dürfen? Schönes Eigentor:-)."

kae

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