Agenturzoff ddp will sich in Brüssel über AFP beschweren

Unter den deutschen Nachrichtenagenturen tobt ein Kleinkrieg: Die Besitzer der ddp werfen der französischen AFP vor, sie profitiere systematisch von staatlichen Subventionen. Die Agentur plant sogar eine Beschwerde bei der EU-Kommission.


Hamburg - Bislang war es vor allem ein verbales Scharmützel, doch nun verschärfen die Besitzer des Deutschen Depeschendienstes (ddp) die Gangart. Wie der Branchendienst Meedia.de berichtet, bereitet die Agentur eine Beschwerde in Brüssel vor, in der sie unzulässige Wettbewerbsvorteile des deutschen AFP-Ablegers bemängelt.

Die Eigentümer der ddp, Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, hatten zuletzt mit massiven Attacken auf die Konkurrenz von dpa und AFP für Schlagzeilen gesorgt. So warfen sie der dpa "sittenwidrige Verträge" vor und klagten, die AFP nutze staatliche Subventionen, um in Deutschland Dumpingpreise anbieten zu können.

Nun droht der Streit zu eskalieren: ddp hat eine Anwaltskanzlei beauftragt, eine Beschwerde gegen AFP bei der EU-Kommission in Brüssel zu formulieren. In einem Entwurf der Klageschrift heißt es, der französische Staat unterstütze die AFP systematisch mit "großen Subventionen", die nur als Gebühr getarnt seien. Die französische Agentur erhalte demnach von staatlicher Seite 113 Millionen Euro, die Abonnements von staatlichen Institutionen seien "nichts anderes als direkte Finanzhilfen". In dem Schreiben ist die Rede von einer "schädlichen staatlichen Beihilfe" und einer "wahrscheinlich eklatanten Missachtung von EU-Vorschriften".

Vorderwülbecke und Löw stellen zudem offen in Frage, dass der deutsche Dienst angemessen für die Auslandsmeldungen zahlt, die er von der französischen Konzernmutter erhält. Der Geschäftsführer der deutschen AFP Andreas Krieger weist die Anschuldigungen zurück: Es gebe keinen Anlass, "daran zu zweifeln, dass die Nutzung der französischen, englischen oder spanischen Texte des AFP-Mutterhauses durch die deutsche AFP GmbH adäquat honoriert wird. Diese Lizenzzahlungen nach Paris sind zudem von Wirtschafts- und Steuerprüfern geprüft und nicht beanstandet worden."

Eine Stellungnahme zur Beschwerde in Brüssel war am Freitagabend weder von ddp noch von AFP zu bekommen. Von Seiten des deutschen AFP-Dienstes hieß es, die Beschwerde betreffe den Mutterkonzern und man sei daher nicht zu einer Stellungnahme berechtigt.

cte



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