"Deutschland ist keine offene Gesellschaft" Ai Weiwei will Berlin verlassen

Der chinesische Starkünstler Ai Weiwei lebt seit 2015 im Berliner Exil. Nun rechnet er mit Deutschland ab - und wirft dem Land vor, ihm mangele es an Respekt vor abweichenden Stimmen.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei will aus Berlin und damit aus Deutschland weg
Edgard Garrido/ REUTERS

Der chinesische Künstler Ai Weiwei will aus Berlin und damit aus Deutschland weg


In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" rechnet der chinesische Künstler Ai Weiwei mit seinem deutschen Exil ab. Nachdem Ai in China mehrfach inhaftiert und wegen angeblicher Steuervergehen juristisch verfolgt worden war, fand er 2015 in Berlin Zuflucht. Nun will er Deutschland den Rücken kehren.

Als Grund gibt Ai an, dass Deutschland keine offene Gesellschaft sei: "Es ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst beschützt. Die deutsche Kultur ist so stark, sodass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gibt kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen."

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Ai Weiwei: "Menschliches Verhalten ist so widersprüchlich"

Als Beispiel führt Ai Weiwei an, er sei wiederholt aus Taxis verwiesen worden, einmal, weil er wegen starken Parfümgeruchs das Fenster geöffnet habe. Er habe den Vorgang der Antidiskriminierungsstelle gemeldet, die keine Diskriminierung feststellen konnte, sondern den Vorgang mit "kulturellen Unterschieden" begründet habe.

Ai sagt weiter: "Das klingt mir ungefähr so, als wenn die chinesische Regierung ihre Verstöße gegen die Menschenrechte mit 'kulturellen Unterschieden' zum Westen begründet. Meine Familie und ich haben sehr gern hier gelebt, aber ich verlasse trotzdem Berlin. Dieses Land braucht mich nicht, weil es so selbstzentriert ist."

"Ich besitze keine Heimat"

Im weiteren Verlauf des Interviews macht Ai der deutschen Politik und Kulturinstitutionen wie der Berlinale Vorwürfe, weil diese wegen wirtschaftlicher Interessen chinesische Menschenrechtsverletzungen nicht anprangerten. Die Berlinale hatte im Februar unter anderem den neuen Film des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou nicht gezeigt, nachdem China ihn wenige Tage vor der Premiere wegen angeblicher "technischer Probleme" zurückgezogen hatte.

Schon im Februar hatte Ai Weiwei der Berlinale Vorwürfe gemacht, nachdem ein von ihm gefilmtes Segment des Films "Berlin, I Love You", der aktuell in den Kinos läuft, entfernt worden war. Im aktuellen Interview sagt der Künstler, die Berlinale habe auch mehrere andere Filme und Dokumentationen aus China zurückgewiesen.

Wohin er ziehen wird, weiß Ai noch nicht: "Ich besitze keine Heimat, weil China mich zurückgewiesen hat, seit ich geboren wurde. Wer sein Ziel kennt, ist kein Flüchtling mehr. Ich bin ein Flüchtling."

kae



insgesamt 382 Beiträge
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Seite 1
prisma12 09.08.2019
1. Bin gespannt,
wo er mehr Freiheit und demokratische Rechte findet.
jsavdf 09.08.2019
2. Hehe
Da will doch nicht jemand am germanozentrischen Weltbild rütteln. Wir müssen ja nicht anderen Nationalstaaten wie Lemminge hinterherspringen bei diesen egotrips. Irgendwann fällt uns dann selbst auf, dass wir in einem kleinen Land leben, und dass miteinander reden doch interessant sein kann. Offen reden. Aber das kann der deutsche nur wenn er besoffen ist.
ulmer_optimist 09.08.2019
3. Es steht...
...Herrn Wei frei, sich woanders niederzulassen. Unabhängig von politischer Verfolgung ist Herr Wei sicher auch ein eher aneckender Zeitgenosse. Das darf er sein, aber seine Freiheit endet eben dort, wo er andere zu sehr stört. Wer hier ist schonmal aus einem Taxi geworfen worden? Ich noch nie.
Freundschafter 09.08.2019
4.
Hier scheint mehr eine Künstlerseele nicht ausreichende Anerkennung erhalten zu haben. Viel Glück in den USA. Dort legt man sich gerne mit China an.
joachim.meyer 09.08.2019
5. Kompliziert?
Vielleicht ist er einfach nur etwas kompliziert im Umgang mit anderen Menschen. Bei Künstlern soll das ja vorkommen. Das hat mit der Nation sicher nichts zu tun und wird ihm wahrscheinlich woanders auch Probleme bereiten.
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