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Polit-Kunstaktion China verbietet Ai Weiweis "Gangnam Style"

Ein weltbekannter chinesischer Künstler tanzt zur Musik eines weltbekannten Clips. In seiner Heimat aber darf das Video nicht gezeigt werden. Die chinesischen Behörden haben Ai Weiweis Interpretation des "Gangnam Style" verboten - sie enthält einen politischen Seitenhieb.

Peking/Hamburg - Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat am Mittwoch eine Parodie des populären Musikvideos "Gangnam Style", im Original von dem südkoreanischen Rapper Psy, veröffentlicht. Einen Seitenhieb auf die chinesische Regierung konnte sich der Dissident nicht verkneifen: Während der angedeuteten Reitbewegungen des Tanzes holt Ai Weiwei ein paar Handschellen hervor - eine Anspielung auf die restriktiven Methoden seines Landes.

Der Staatsapparat reagierte prompt: Am Donnerstag löschte die chinesische Zensurbehörde den Clip, der bereits mehrere tausend Male auf dem chinesischen Videoportal Tuduo angeklickt wurde. Die Tanznummer, auf der Weiwei ein rosa T-Shirt, schwarzes Sakko und eine dunkle Sonnenbrille trägt, kann derweil noch auf Youtube angesehen werden - die Seite ist innerhalb Chinas aber ohnehin gesperrt.

Der Titel seiner Interpretation des Superhits lautet übersetzt ins Englische "Grass Mud Horse Style" - in chinesischer Schreibweise kann dies gleichzeitig als vulgäre Beleidigung verstanden werden.

Gegenüber der Presseagentur AP erklärte der Systemkritiker den Anlass für diese Aktion: Ein Abrissunternehmen hätte die Familie des befreundeten chinesischen Rockstars Zuoxiao Zuzhou aus deren Haus getrieben. Weiter sagte Ai Weiwei: "Dauernd wird uns unsere Fröhlichkeit weggenommen und unsere Häuser zerstört. Wir werden ständig kontrolliert, uns können die Pässe abgenommen werden. Trotzdem haben wir jeden Morgen die Möglichkeit, anderen einen Anlass zum lachen zu geben. Lachen ist wichtig."

Ai Weiwei saß im vergangenen Jahr ohne Verurteilung drei Monate lang an einem unbekannten Ort in Haft. Die chinesische Regierung hat ihn anschließend mit einem Ausreiseverbot belegt und seinen Pass eingezogen.

Mit dem Video reiht sich der Chinese in die Liste prominenter Nachahmer des Youtube-Hits ein. Zuletzt hatten UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und Rennfahrer Sebastian Vettel die ulkigen Rodeo-Bewegungen nachgeahmt.

ajz/AP/afp
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