Akademie der Künste "Ich wünsche mir eine Stätte der Unruhe"

Mit einem Festakt ist am Samstag der Neubau der Akademie der Künste in Berlin eröffnet worden. Präsident Adolf Muschg erinnerte zum Auftakt an die bewegte Vergangenheit der Akademie. Bürgermeister Klaus Wowereit, der lieber zu einem Hertha-Spiel gegangen war, wurde von Muschg mit ironischen Seitenhieben bedacht.


Bundeskanzler Schröder, Bundespräsident Köhler und Akademiepraesident Muschg: Einweihung ohne Landesvater
AP

Bundeskanzler Schröder, Bundespräsident Köhler und Akademiepraesident Muschg: Einweihung ohne Landesvater

Berlin - Der 56 Millionen Euro teure Neubau am Brandenburger Tor war im Februar nach fünfjähriger Bauzeit von der Senatsbauverwaltung an Muschg und den Bund übergeben worden. Bundespräsident Horst Köhler sprach bei der Eröffnung über die Erwartungen an die Akademie und das Verhältnis zwischen Kunst, Künstlern und dem Bundespräsidenten. Er schloss mit den Worten: "Glück auf für die Akademie! Ich habe ein gutes Gefühl."

Architekt Günter Behnisch sagte über das viel diskutierte Neubauprojekt, es habe lange gedauert, nun hoffe er, dass es sich gelohnt habe. "So leicht wird Berlin seine Akademie nicht los - dafür stehen wir", sagte Muschg. Mit dem Haus am Pariser Platz kehrt die mehr als 300 Jahre alte Künstlergemeinschaft an ihren historischen Standort seit Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Ihren Nachkriegsbau im Hansaviertel behält sie als Dependance.

Akademie der Künste: 56-Millionen-Euro für den Neubau
DPA

Akademie der Künste: 56-Millionen-Euro für den Neubau

Unter den Gästen waren auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit (SPD) hatte wegen des letzten Saisonspiels des Bundesligisten Hertha BSC abgesagt. Zum Fehlen Wowereits sagte Muschg unter dem Gelächter der Gäste: "Eines schönen Tages hoffen wir, auch diesem Landesherren einmal ein Spiel zu bieten, in dem er sich wieder erkennt."

Der Bundeskanzler erinnerte an die dunklen Zeiten der Akademie. "Es ist eine große Wunde in der Geschichte der Akademie, dass 1933 nur wenige aufgestanden sind gegen die Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten", sagte Schröder. Damals habe die Akademie ihre moralische Integrität verloren.

Aus dieser dunklen Zeit folge die Verpflichtung von Kunst und Künstlern, sich einzumischen, betonte Schröder. "Ich wünsche mir die Akademie als eine Stätte der Unruhe", fügte er hinzu. Seit 2004 befindet sich die Akademie der Künste als einzige in Deutschland in der Trägerschaft des Bundes.

Ab dem 27. Mai ist das Haus mit der Glasfassade für die Öffentlichkeit zugänglich. Dann wird auch die Passage vom Brandenburger Tor zum Holocaust-Mahnmal durch den Neubau geöffnet sein.



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