S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Die Schwelle ins Reich der Verblödung ist längst überschritten
Ist das laut geworden. Die Autos, die Flugzeuge, der Bau, die Dings, na, Laubbläser, Pegida - apropos. Der Lärm scheint in den Hirnen der Menschen ernsthafte Schäden anzurichten. Sie reden nicht mehr miteinander, und wenn, dann gereizt. Die Wut muss raus. Millionenfach. Nach dem Lärm auf den Straßen und am Himmel kommt der Krach der Menschen, die sich nicht mehr zu hören scheinen, die nur noch darauf bedacht scheinen, lauter zu sein als der andere. Als brülle die Welt generös auf, bevor sie untergeht oder eine neue Entwicklungsstufe erreicht, mag man im All denken, wenn man auf den kleinen Planeten schaut.
Wer schon einmal einem Menschen gegenüberstand und von ihm angeschrien wurde, der weiß, dass Zurückplärren das Dümmste ist, was man tun kann. Schreien führt zur Eskalation. Schreien ist wortgewordene Ohnmacht. Schreien wirkt sich auf irgendein Areal in unseren Hirnen ungut aus. Und lässt keine verbale Steigerung zu. Die nächste Stufe ist Implodieren. Oder Explodieren. Weiß man. Und vergisst es doch wieder.
Alle schreien einander an. Krakeelen im Netz, schreiben groß, machen zehn Ausrufezeichen, und wenn es im Netz zu ruhig ist, geht es raus auf die Straße, da wird geschrien, und dann gibt es auf die Birne. Die Schwelle ins Reich der Verblödung, in den Himmel der Aggression ist überschritten. Schreiende Gruppen stehen sich gegenüber, halten blöde Schildchen in die Luft, und allen ist klar: Die Sache kann nicht gut enden.
Wir schreien um unser Überleben
Der Mensch schreit, wenn er Schmerzen hat oder andere Menschen dominieren will. Unzusammenhängend fällt mir der gemeine Brüllaffe ein. Wenn zwei Menschen sich anbrüllen, um Dominanz zu erlangen, kann der nächste Schritt eigentlich nur der Baseballschläger sein oder das gemeinsame Lachen. Okay, dumme Idee, gelacht wird hier nicht mehr, wir schreien um unser Überleben. Schreien gegen die Bedeutungslosigkeit an. Viele schreien, weil langsam selbst für Einfältige deutlich wird, dass die Welt ihn nicht braucht. All die Werbung, die den Leuten einredete, dass sie Könige seien, wenn sie etwas konsumierten. Die war gelogen. Verdammt. Mann, die haben mich angelogen.
Sie sind keine Könige, keine Königinnen, sie sind nur Volk, die Menschen.
Einer der Vorschreier war bislang Akif Pirinçci, der jetzt mal kurz Luft holt. Jahrelang war vielen klar, dass der Mann Probleme hat. Doch er war amüsant, und schließlich hetzte er nur gegen Frauen, Homosexuelle und Ausländer. Meinungsfreiheit, Sie wissen schon. Aber das Ding mit dem KZ hätte er nicht bringen dürfen. Da ist man empfindlich in Deutschland.
Diese Scheißvergangenheit, die dem Land und seiner Bevölkerung so lange das Recht auf ein lautes Gebrüll eingeschränkt hat. Jetzt ist man doch endlich wieder wer. Wieder laut. Und jeder will es jetzt wieder gewusst haben. Danach haben es immer alle gewusst. Damals wie heute. Oder morgen? Ob es ein Morgen gibt, ist unklar. Die Lautstärke auf der Welt ist zu irrsinnig geworden. Die Dummen, die Dreisten, die Brutalen waren schon immer hörbarer als die Leisen, die Denkenden. Das ist das Übel der Evolution. Es überlebt, wer aggressiver ist. Das Gute an dieser Taktik - die Sache erledigt sich dann irgendwann von selber.