Prämiierte Foto-Reportagen Vergewaltigt, verhöhnt, vergessen

Missbrauchte US-Soldaten, blutüberströmte Jäger in Alaska, der Überlebenskampf von Flüchtlingen: Die Bildagentur Getty Images vergibt jährlich Stipendien für Fotoreportagen. Wir zeigen die bewegendsten Aufnahmen.

Mary F. Calvert

Es ist erst wenige Wochen her, dass ein 600-Seelen-Dorf in Alaska beschlossen hat, aufs Festland umzuziehen. Die Bevölkerung hat Angst vor dem Klimawandel, sie muss den Folgen der starken Erosion ihrer Küste entkommen. Das Dorf Shishmaref ist bereits schwer gezeichnet, ganze Häuser werden weggespült.

Dass Alaska eine vom Klimawandel besonders stark betroffene Region ist, hat auch Fotografin Katie Orlinsky festgestellt. In ihrem Projekt "Chasing Winter" dokumentierte sie, wie sich das Leben der Dorfbewohner verändert, die vom Fischfang und der Jagd leben. "2015 war das wärmste Jahr aller Zeiten in Alaska", erklärt die Journalistin. "Eis und Gletscher schmelzen und der Schnee fällt später im Jahr, Stürme und Flächenbrände verwüsten das Land. Wale, Walrösser, Robben und Lachse - die Lebensgrundlage der Menschen - werden vertrieben."

Für ihre Dokumentation wurde Orlinsky als eine von fünf Preisträgern von der Bildagentur Getty Images mit einem Förderpreis für Fotojournalismus ausgezeichnet. In ihren Bildern ist die Bedrohung des Lebens omnipräsent - wie der Mensch in die Natur eingreift, wie er tötet, aber auch, wie das Klima das Leben der Menschen bedroht. Männer in Gummihosen knien auf einem toten Wal im Sonnenuntergang, rotes Blut auf weißem Schnee, das Kleinkind neben den sterbenden Fischen.

Alle Preisträger des diesjährigen Getty Images Grants for Editorial Photography dokumentierten in ihren Arbeiten Menschen in Not und Bedrängnis. Allein drei der Serien befassen sich mit Flucht und Migration, dem Exodus aus Syrien, Afrika oder Südamerika.

In ihrem Projekt "Border Insecurity" zeigt etwa Fotografin Kirsten Luce die verzweifelte Lage von Flüchtlingen auf ihrem Weg durch das Tal des Rio Grande. Ödnis, Sand, Büsche, Hitze - und der Rio Grande. Wer von Mexiko in den US-Bundesstaat Texas flüchten will, muss hier durch.

Preisträgerin Mary Frances Calvert hat in ihrer Reihe "Prisoners of War: Male-on-male Rape in America's Military" die Situation von Menschen untersucht, die während ihrer Zeit im US-Militär vergewaltigt wurden. "Laut einer Untersuchung des Pentagons sind 52 Prozent der Vergewaltigungsopfer beim Militär Männer, doch weniger als ein Fünftel erstattet Anzeige", so Calvert, "auch weil es nur in sieben Prozent der Fälle zu Verurteilungen kommt."

Die Männer schwiegen oft ihr Leben lang über diese Vorfälle und griffen zu Alkohol und Drogen. Mit ihrer Arbeit will Calvert über sexuelle Übergriffe beim Militär aufklären und auch zeigen, dass männliche Opfer mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben als weibliche.

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Fotojournalismus: Bedrohtes Leben

cpa

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