Doppelgänger-Fotos Sind sie's wirklich?

Die Queen auf dem Klo, Kim und Kanye in der Garderobe: Fotos sind leicht manipuliert und hochmanipulativ. Alison Jackson inszeniert Promi-Doppelgänger - und kritisiert so auch unsere Leichtgläubigkeit.

Alison Jackson

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Falsche Fotografien haben Sprengkraft. Manchmal wünscht sich ein Betrachter so sehr, seine Meinung bestätigt zu sehen, dass er Bildern glaubt, auch wenn sie noch so unwahrscheinliche Situationen zeigen. Das gilt ganz besonders, wenn es um Prominente geht und eine vermeintliche Charaktereigenschaft enthüllt wird, das Bild also den befriedigenden Gedanken vermittelt: Das habe ich mir doch schon immer gedacht.

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Der Fotografin Alison Jackson fällt es deshalb sehr leicht, Trump-Hasser zu manipulieren. Oder Lady Diana-Fans. Oder Follower von Kim Kardashian. Denn ihre Bilder verwischen die Grenzen zwischen dem gerade noch Möglichen und dem eigentlich Undenkbaren. Sie zeigt Donald Trump, wie er Miss Mexico die Beine spreizt. Kanye West und Kim Kardashian, wie sie die Geburt eines ihrer Kinder von einem Fernsehteam filmen lassen. Queen Elisabeth II. beim Familien-Selfie und Lady Diana, wie sie ihren Mittelfinger in die Kamera hält.

"Wahrheit ist tot"

Die vielfach ausgezeichneten Arbeiten von Jackson sind nun in Wien in der Ausstellung "Fake Truth" zu sehen. Seit vielen Jahren arbeitet Jackson mit einem Team professioneller Lookalikes. "Sie sind so zurechtgemacht, dass man sie für echt hält. Und dann versetze ich sie in Szenen, die wir uns alle schon einmal vorgestellt, aber eben noch nie gesehen haben", sagt Jackson. Der Betrachter glaube sofort, er habe Zugang zu etwas Privatem.

Kaum jemand ist vor Jacksons Fake-Inszenierungen sicher, sie hat sie alle: Boris Johnson, Wladimir Putin, Brangelina, die Familie Kardashian-West, Mick Jagger und Marilyn Monroe.

Die Bilder sind dabei mehr als derbe britische Satire: Sie offenbaren, dass unser Hunger nach Promi-News, unsere Gier nach privaten Details und unsere Leichtgläubigkeit Phänomene wie Donald Trump überhaupt erst möglich machen. Denn die Macht der Bilder haben die sich für ihre Selbstinszenierung ja auch längst zunutze gemacht: Es liege in der Natur der Fotografie, trügerisch zu sein, sagte die Fotografin der österreichischen Zeitung "Der Standard" zur Eröffnung der Ausstellung in Wien. Es gebe für Betrachter keine Möglichkeit mehr, die Wahrheit herauszufinden. "Wahrheit ist tot. Wir können nie hinter die Kulissen der Personen des öffentlichen Lebens blicken, sehen nur den Teil, den sie uns präsentieren." Auch Politiker, so Jackson, würden nicht mehr nach rationalen Maßstäben, sondern nach dem "Wow-Effekt" ausgewählt.

Den Trumps und Kardashian-Wests dieser Welt ist laut ihrer Lesart selbst vielleicht noch viel mehr zuzutrauen als ein Stinkefinger wie der von Lady Di, dessen Inszenierung Alison Jackson vor zwanzig Jahren berühmt machte. Bilder lösen den Text ab, das Bedürfnis nach Privatem ersetzt das Politische - auch das ist die Entwicklung, die Jackson mit ihren Fotos nachzeichnen will. Der voyeuristische Betrachter wird dabei sich selbst vorgeführt.


Ausstellung: Alison Jackson Fake Truth, WestLicht Wien, bis 26. Januar 2020

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