Überraschender Fund Unbekannte Werke von Andy Warhol entdeckt

Digitalkunst vom Pop-Art-Pionier: 27 Jahre nach seinem Tod sind unbekannte Werke Andy Warhols aufgetaucht. Der Künstler hatte sie auf einem Computer gezeichnet und auf Diskette gespeichert.

The Andy Warhol Foundation for the Visuals Arts, Inc./ Courtesy of The Andy Warhol Museum

Pittsburgh - Über dreißig Jahre nach ihrer Entstehung sind unbekannte Werke des berühmten Künstlers Andy Warhol aufgetaucht. Die 18 digitalen Zeichnungen lagerten im Archiv des Andy Warhol Museums auf Disketten und waren in Vergessenheit geraten. Warhol hatte die Zeichnung in den Achtzigern an einem Commodore Amiga-Computer entworfen und auf sogenannten Floppy Disks gespeichert.

Der Künstler und Warhol-Fan Cory Arcangel war durch Zufall auf die Bilder gestoßen. Bei YouTube hatte er ein altes Video von Warhol gesehen. Darauf sitzt der Künstler an einem Commodore Amiga 1000 und zeichnet ein digitales Porträt der Blondie-Sängerin Deborah Harry. Das Video war 1985 im Rahmen einer Presseveranstaltung des Heimcomputer-Herstellers Commodore entstanden.

Arcangel fragte sich, ob Warhol eventuell weitere Zeichnungen entworfen hatte. Zusammen mit der Kuratorin des Carnegie Museums in Pittsburgh, Tina Kukielski, wandte er sich an den Carnegie Mellon University Computer Club und bat um technische Unterstützung. Das Andy Warhol Museum in Pittsburgh gab der Forschungsgruppe die Erlaubnis, im Archiv nach weiteren Amiga-Werken suchen zu dürfen.

Arcangel wurde fündig: Ein Amiga-Computer samt Zubehör und mehrere Floppy Disks lagerten in Warhols Nachlass. Zusammen mit Studenten und Professoren des CMU Computer Clubs machte sich Arcangel daran, die digitalen Werke zu katalogisieren und zu sichern.

Warhol hatte in den Achtzigern ein Speicherformat benutzt, das moderne Amiga-Nachbildungen nicht mehr lesen können. Zudem waren die Disketten nach dreißig Jahren in einem schlechten Zustand. Arcangel und sein Team benutzten spezielle magnetische Lesegeräte, um die originalen Disketten nicht zu beschädigen. Sie förderten 18 Zeichnungen mit Namen wie "flower.pic" und "marylin1.pic" zutage. Viele der Zeichnungen sind elektronische Abbildungen Warhols berühmtester Arbeiten, zwölf vom Künstler signiert.

Andy Warhol war in den sechziger Jahren als einer der Pioniere der Pop-Art berühmt geworden. Der Direktor des Museums, Eric Shiner, sagte, Warhol habe sein Leben lang den technischen Fortschritt mit großem Interesse verfolgt: "Warhol kannte in seiner Kunst keine Grenzen. Diese digitalen Zeichnungen zeugen von seiner Experimentierfreude und seinem Willen, sich neue Medien zu eigen zu machen", so Shiner.

Das Porträt von Deborah Harry, das Warhol auf dem YouTube-Video malt, war bereits Teil der Ausstellung im Warhol Museum. Die anderen Amiga-Zeichnungen waren allesamt unbekannt. Sie zeigen krakelige Skizzen im Paint-Stil, Fotografien und experimentelle Entwürfe von klassischen Warhol-Motiven wie der Campbell-Dosensuppe.

Ein Film dokumentierte die Suche nach den verschollenen Zeichnungen. Am 10. Mai wird er in der Carnegie Library Lecture Hall in Pittsburgh gezeigt. Am 12. Mai wird die Dokumentation im Internet veröffentlicht werden.

eba

Mehr zum Thema


insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DerNerd 24.04.2014
1. Von Warhol?
Das im Artikel abgebildete Bild ist wohl nicht zur Gänze von Warhol. Meiner Meinung nach hat er nur ein Auge "ausgeschnitten" und als Pattern wieder aufs Bild gepappt. Das Bild (ohne drittes Auge) hatte so ziemlich jeder Amigabesitzer, der das meist genutzte Malprogramm (weiss den Namen nicht mehr nach all den Jahren) besessen hat - und das haben die Meisten. Das Bild sollte also unter den alten Amigafans durchaus bekannt sein - ohne dem dritten Auge natürlich.
qim 24.04.2014
2.
Zitat von DerNerdDas im Artikel abgebildete Bild ist wohl nicht zur Gänze von Warhol. Meiner Meinung nach hat er nur ein Auge "ausgeschnitten" und als Pattern wieder aufs Bild gepappt. Das Bild (ohne drittes Auge) hatte so ziemlich jeder Amigabesitzer, der das meist genutzte Malprogramm (weiss den Namen nicht mehr nach all den Jahren) besessen hat - und das haben die Meisten. Das Bild sollte also unter den alten Amigafans durchaus bekannt sein - ohne dem dritten Auge natürlich.
Es handelt sich wohl um DeluxePaint, man sieht die Verpackung auch in einem der späteren Bilder. Und das einzige, was ich an den Bildernerkennen kann, ist, dass die Fähigkeiten von Andy Warhol mit diesem Programm mehr als bescheiden waren.
tribaleye 24.04.2014
3. Oh Mann ...
Kunst!? Ich werde es wohl nie verstehen. Ein in meinen Augen absolut überschätzter Künstler (aber gut, das ist nun mal Geschmacksache - jedem sei sein eigener Kunstbegriff gegönnt) krakel vor über einem Vierteljahrhundert auf einem Amiga herum und heute ist das eine Sensation! Dabei ist, wie schon "DerNerd" sagt, für jeden Laien ersichtlich, dass Warhol einfach nur ein Demo-Bild eines damals auf dem Amiga populären Malprogramms (ich habe es auch genutzt) "verfremdet" hat, indem er ein Venus Auge mit dem Werkzeug ausgeschnitten und in die Mitte hineinkopiert hat. Und das schlecht! Eine Aktion von vielleicht zehn Sekunden. Bei der Suppendose wurde einfach nur ein wenig mit der Maus gekrakelt. Ich würde das noch nicht einmal eine Skizze schimpfen. Fände man heute in seinem Nachlass ein benutztes Taschentuch, dass er damals achtlos in eine alte Plastiktüte geworfen hat, würde das auch als bedeutendes Werk gelten. Und noch zu den "sogenannten Floppy-Discs" (übrigens, ist der Verfasser um die Zwanzig? Ansonsten hätte er das Speichermedium "Diskette" durchaus kennen können) - Meine alten Amiga-Disketten laufen heute noch, obwohl sie einfach nur so in Kisten herumlagen. Übrigens auf meinem alten Amiga. Kürzlich noch in einem Nostalgie-Anfall ausprobiert.
Iggy Rock 24.04.2014
4. Der Markt liebt so etwas!
Zitat von tribaleyeKunst!? Ich werde es wohl nie verstehen. Ein in meinen Augen absolut überschätzter Künstler (aber gut, das ist nun mal Geschmacksache - jedem sei sein eigener Kunstbegriff gegönnt) krakel vor über einem Vierteljahrhundert auf einem Amiga herum und heute ist das eine Sensation! Dabei ist, wie schon "DerNerd" sagt, für jeden Laien ersichtlich, dass Warhol einfach nur ein Demo-Bild eines damals auf dem Amiga populären Malprogramms (ich habe es auch genutzt) "verfremdet" hat, indem er ein Venus Auge mit dem Werkzeug ausgeschnitten und in die Mitte hineinkopiert hat. Und das schlecht! Eine Aktion von vielleicht zehn Sekunden. Bei der Suppendose wurde einfach nur ein wenig mit der Maus gekrakelt. Ich würde das noch nicht einmal eine Skizze schimpfen. Fände man heute in seinem Nachlass ein benutztes Taschentuch, dass er damals achtlos in eine alte Plastiktüte geworfen hat, würde das auch als bedeutendes Werk gelten. Und noch zu den "sogenannten Floppy-Discs" (übrigens, ist der Verfasser um die Zwanzig? Ansonsten hätte er das Speichermedium "Diskette" durchaus kennen können) - Meine alten Amiga-Disketten laufen heute noch, obwohl sie einfach nur so in Kisten herumlagen. Übrigens auf meinem alten Amiga. Kürzlich noch in einem Nostalgie-Anfall ausprobiert.
Der Wert von Kunst richtet sich immer nach einem Markt, auf dem sich unzählige Leute tummeln, die gerne angeben, dass sie Ahnung von Kunst hätten. Genauer gesagt: Wenn ein paar Vermögende an einigen Werken gefallen finden, hat der Rest, der sich so etwas nicht leisten kann, es gefälligst für Kunst zu halten. Das geht auch damit einher, dass solche Werke publiziert werden und entsprechende Ausstellungen stattfinden, damit es irgendwann auch in den Schulbüchern als Kunst auftaucht. Dann gibt es natürlich noch studierte Kunstexperten, die eigentlich spezialisten für den Markt sind, und es hübsch zu umschreiben verstehen, was der Meister damit sagen wollte. Bei diesem "Überraschendem Fund", muss ich ihnen Recht geben. Anfängerkritzelei, wie sie jeder in der Zeit mit Malprogrammen machte. Es könnte von irgendjemand stammen, aber man will bestimmt ordentlich Geld dafür sehen, daher hat es eine Sensation zu sein.
bpauli 24.04.2014
5. Geburt der Venus von Boticelli
Warhol hat bei dem abgebildeten Frauenkopf ein Fotoausschnitt des sehr bekannten Bildes "Geburt der Venus" von Boticelli verwendet. Passt doch zu seinem künstlerischen Stil, für den er berühmt wurde! http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Geburt_der_Venus
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.