Angstvermarktung Das Klima muss weg!
Klimakonferenz in Marrakesch
Foto: Mosa'ab Elshamy/ APDonald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Die gute Nachricht: Falls die Welt in den nächsten Tagen nicht untergeht, kann sich die deutschsprachige Presse endlich wieder einem anderen Thema zuwenden, das kaum einer beeinflussen kann.
Vielleicht mal irgendwas mit dem Islam. Was macht der Islam denn eigentlich an welchem Ende der Welt? Was ziehen Musliminnen an, was ist das Hobby muslimischer Männer und wo bekämpfen welche Moslems gerade andere Moslems? Wo bekommen wir noch ein paar verhüllte Konvertitinnen für Talkshows her und was sagt Al Jazeera dazu?
Total unverständlich bei dieser Art der einseitigen Berichterstattung, die momentan sogar Israel mit seiner geneigten Überaufmerksamkeit verschont, dass die Angst vor dieser Religion in Europa sekündlich wächst (Stichwort: "Angst vor dem Islam", ungefähr 854.000 Google-Ergebnisse).
Stellen wir uns kurz vor, über etwas anderes wie zum Beispiel - das Klima-, würde in so überproportionierter Ausführlichkeit berichtet, wie seit gefühlten Jahren über den Islam. Würden sich dann Klimawutparteien gründen? Bewegungen, die nicht populistischen Bullshit wie: "die Homosexuellen werden uns alle töten" und "ein modernisierter Sexualkundeunterricht will uns unsere Wohnungen abfackeln" vertreten, sondern Parteiengründung aus Wut wegen etwas, das die Ursache von wirklich ergreifenden Untergangszenarien sein kann.
Wunderbare Jahre: Als wir noch die Welt bereisten
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14.08.2024 13.03 Uhr
Keine Gewähr
Oder ist das Thema zu komplex für schmissige Parolen? Moment, ich versuche es mal: Das Klima muss weg.
Na geht doch. Was sagt eigentlich unsere Wutpartei zu dem Thema, denn wenn Frau Petry als Kanzlerin bei einem der nächsten Klimagipfel zusammen mit Trump und Orbán, mit Wilders und Duterte für den Erhalt unserer Welt kämpfen, wird... Moment, ich google das für Sie : Ah, eher nicht .
Wird schon alles nicht so schlimm
Überraschend. Aber vergessen wir eine der Ursachen dafür, dass sich der immer noch friedliche Westen vielleicht wirklich auf einen Zustrom von Millionen Menschen, die aus unbewohnbar gewordenen Regionen fliehen, einstellen muss.
Die erfreulichste Funktion der menschlichen Festplatte ist ja die Hoffnung. Wird schon alles nicht so schlimm. So einen Klimawandel kann man nicht sehen (Angst vor dem Klimawandel erzielt auch nur ungefähr 402.000 Google-Ergebnisse), der steht nicht Schlange vor Registrierstellen, und solange ein paar Menschen viel Geld mit Kühen, Autos und Kohlekraftwerken verdienen können, werden sie die wunderbare Gelegenheit ergreifen. Wird schon.
Machen wir weiter mit ein paar Parolen und Ablenkungsstrategien. Das funktioniert immer. Ein wirklich erheiternder Beweis dafür war die kleine Meldung , dass ein schweizerischer Zeitschriftenverlag jetzt endlich eine neue formalästhetische Gestaltung erhält. Ein T. Wow. Geil. Das wird die Krise der Printmedien beenden.
So wie auch vor vielen Jahren der Lifestyle-Quatschkopf Tyler Brûlé für gemunkelte Millionen die trudelnde Swissair mit einem neuen Design gerettet hat. All die kleinen Gedanken stehen in einem großen Kontext der universalen Beruhigung.
Menschen werden sich nie als Teil eines großen Ganzen begreifen, irgendwelche Vögel werden immer den kleinsten gemeinsamen Nenner finden, um die Massen zu beschäftigen, und irgendwann werden wir alle Tierarten ausgerottet haben. Das Meer verdreckt, die Luft dito, und dann dürfen wir endlich aussterben.