Anzeigenkrise Condé Nast stellt "Vanity Fair" ein

Ein Blatt für die "Mover und Shaker" der Republik sollte es werden, politisch ambitioniert - aber dennoch unterhaltsam: der deutsche Ableger des US-Gesellschaftsmagazins "Vanity Fair". Jetzt stellt der Verlag Condé Nast das Blatt ein, das vor zwei Jahren mit viel Tamtam gestartet worden war.

Hamburg - Die Anzeigenkrise hat ein neues, prominentes Opfer gefunden. Wie der Condé Nast Verlag SPIEGEL ONLINE bestätigte, wird die deutsche Ausgabe von "Vanity Fair" aufgrund der Anzeigenkrise eingestellt. Vor nur elf Wochen hatte der Vorstand des Verlages, Jonathan Newhouse, noch verkündet, dass "Vanity Fair" Deutschland nicht zur Disposition stünde.

"Die Welt hat sich blitzschnell verändert und niemand konnte sich richtig darauf vorbereiten", begründet Newhouse nun die Schließung der deutschen Ausgabe.

"Die Weltwirtschaft ist in eine Krise von historischem Ausmaß gerutscht. Medienbesitzer wie auch Condé Nast stehen gravierenden Marktherausforderungen gegenüber", heißt es in einer Erklärung des Verlages. Unter normalen wirtschaftlichen Umständen hätte man "Vanity Fair" weiter erscheinen lassen.

In der Berliner Redaktion des Blatts schlug die Nachricht von der Einstellung ein wie die sprichwörtliche Bombe. Verlagsvorstand Newhouse verkündete die bad news persönlich. In schwarzem Anzug und mit schwarzer Krawatte sei er vor die Redaktion getreten und habe wortgetreu - und auf Englisch - eben jene Mitteilung verlesen, die der Verlag wenig später auch an die Presse schicken sollte.

Niemand, so sagten mehrere Redakteure SPIEGEL ONLINE, habe damit gerechnet, dass "Vanity Fair" zu diesem Zeitpunkt vom Markt genommen werden würde. Die Entscheidung habe die Mitarbeiter vor allem deswegen überrascht, da Newhouse ja erst vor kurzem besagte Bestandsgarantie abgegeben hatte - und sich das Blatt zudem erst vor rund zwei Wochen mit einer pompösen Lounge auf der Berlinale selbst gefeiert hatte.

"Vanity Fair" war im Februar 2007 mit einer Auflage von 500.000 Exemplaren gestartet. Als Zielgruppe nahm man damals vollmundig "die neue Leistungselite Deutschlands" ins Auge. Mit rund 50 Millionen Euro war es die größte Investition des Medienhauses Condé Nast ("Vogue", "GQ", "The New Yorker") außerhalb der USA und die wohl spektakulärste Neugründung am hiesigen Zeitschriftenmarkt der vergangenen Jahre.

Die großen Ambitionen erfüllten sich nie. Dafür machte das lange absehbare Scheitern des publizistischen Großprojekts auch Karrierehoffnungen zunichte. Chefredakteur Ulf Poschardt, der daraus das Blatt für die "Mover und Shaker" der Republik machen wollte und erfolglos blieb, ist schon seit Monaten nicht mehr an Bord.

Seit Mai 2008 leitete Nikolaus Albrecht das Blatt, der von dem People-Magazin "Glamour" kam und zunächst nur kommissarisch bleiben sollte. Albrecht hatte sich dann im Januar dieses Jahres de facto von "Vanity Fair" verabschiedet; er wollte Ende 2009 als Korrespondent für mehrere Blätter des Verlags nach New York wechseln - darunter eben auch für die deutsche "Vanity Fair". Ein Pariser Headhunter war schon mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt worden und hatte, wie Insider berichten, bereits einige Kandidaten angesprochen.

Der Personaljäger dürfte nun seine Arbeit wohl ebenso einstellen wie Albrecht, der als letzter Chefredakteur in die Geschichte des kurzlebigen Blattes eingehen wird. Auch Bernd Runge, Verlagschef für Europa, ging. Die Auflage lag zuletzt bei knapp 203.000 Exemplaren. Nur rund 76.000 Hefte konnten im Schnitt an den Kiosken verkauft werden.

Poschardt hatte aus dem deutschen Ableger der US-Glanzpostille ein Magazin machen wollen, das auf den Feldern Politik und Kultur ebenso mitmischen sollte, wie in der People-Berichterstattung.

Der Verlag Gruner + Jahr brachte aus Sorge, die damals bereits angekündigte deutsche "Vanity Fair" könnte erfolgreich sein, bereits im Jahr 2005 ein eigenes ähnlich konzipiertes Magazin auf den Markt: Der Titel "Park Avenue" war allerdings ebenfalls erfolglos - und ist mittlerweile eingestellt worden.

Die Erwartungen an das Condé-Nast-Projekt waren hoch, doch als Poschardt nach monatelangen strikt geheimen Vorbereitungen sein Heft präsentierte, überwog die Enttäuschung. Das Heft entwickelte sich zu einem People-Magazin. Mit journalistisch harten Geschichten machte es bestenfalls dann Schlagzeilen, wenn der Krach-Faktor ordentlich hoch war; wie etwa bei einem Gespräch Michel Friedmans mit dem vom RAF-Terroristen zum Nazi gewandelten Horst Mahler.

"Vanity Fair" versuchte durch verschiedene Vertriebswege das Heft im Markt zu etablieren: So experimentierte man mit einem vergleichsweise niedrigen Verkaufspreis oder Zugaben wie Filmen oder Musik-CDs. Auch andere Zeitschriftenverlage haben schon mit Einstellungen auf die Anzeigenkrise reagiert: Zuletzt stellte der Burda-Verlag die Blätter "Tomorrow" und "Young" ein.

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