ARD im Superwahljahr Politikmagazine fördern, Internet nutzen

Das Erste hat viel vor im neuen Jahr: Man will die Polit-Magazine besser vermarkten, eventuell sogar unter gemeinsamem Namen. Das Internet soll ein prominentes Hilfsmedium werden: mit eigenem Kanal auf YouTube.


Stuttgart - ARD-Intendant Peter Boudgoust steht Überlegungen offen gegenüber, die Politikmagazine der öffentlich-rechtlichen Sender unter einem einheitlichen Namen zusammenzufassen. Allerdings betonte Boudgoust: "Die Magazine stehen auch für politischen Pluralismus, und das muss so bleiben." Die programmliche Identität dürfe keinen Schaden nehmen. Magazine wie "Report Mainz", "Monitor" oder auch "Panorama" hätten keine Probleme auf ihrem Sendeplatz und sich einen festen Stamm an Zuschauern gesichert.

ARD-Chef Boudgoust: Im Netz nach Zielgruppen fischen
SWR, Rafael Kroetz

ARD-Chef Boudgoust: Im Netz nach Zielgruppen fischen

Boudgoust erklärte, es gebe zudem Überlegungen, die Wiedererkennbarkeit der Magazine und politischen Sendungen zu steigern. "Die jeweils 30-minütigen Politikmagazine werden vielfach nicht als ARD-Gesamtpaket wahrgenommen." Es werde nicht deutlich, dass das Erste jede Woche zwei investigative Politikmagazine ausstrahle - so viel wie kein anderer Sender.

Auf alle Fälle aber müsse die inhaltliche Vielfalt der Angebote erhalten bleiben. Bei diesem Thema gebe es "keinen zeitlichen Druck".

Im Superwahljahr 2009 will die ARD neben der verstärkten Wahlberichterstattung auch bei den Dokumentationen in die Offensive gehen. Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik und zum 20. Jahrestag des Mauerfalls seien "herausragende Dokumentationen und ereignisbezogene Sendungen" geplant, so Boudgoust.

Als Beispiele nannte der Intendant "60 x Deutschland - Die ARD Jahresschau" und "Mein Deutschland", eine dreiteilige Reihe, die über das Leben und Erleben im geteilten Deutschland von 1949 bis 1990 berichte.

Jugendbewegung im Ersten

Weiterer Schwerpunkt in 2009: mehr junge Zuschauer an die Sendergruppe binden. "Meine Vorstellung ist es, dass wir als ARD einen eigenen Kanal bei YouTube bekommen, der aber im werbe- und gewaltfreien Umfeld läuft", sagte Boudgoust den "Stuttgarter Nachrichten". Es gebe entsprechende Verhandlungen mit den Betreibern der Internet-Plattform. Er sei zuversichtlich, dass dieses Thema bis zum Frühjahr gelöst werde.

Boudgoust sprach sich zugleich dafür aus, neben dem Kinderkanal auch einen Jugendkanal aufzubauen. Ein Jugendkanal wäre "absolut wünschenswert", so der ARD-Vorsitzende.

Mit Programminseln für Jugendliche irgendwo im Vollprogramm werde man nicht den gewünschten Zugang zu Jugendlichen finden. Er habe die Hoffnung, dass das Thema, "wenn sich der Pulverdampf des Staatsvertrages erst mal verzogen hat", ebenso engagiert wie unaufgeregt diskutiert werden könne. Ein solcher Kanal hätte einen großen gesellschaftlichen Nutzen.

Zu den weiteren Herausforderungen in seiner zweijährigen Amtszeit, die am Donnerstag begann, zählte Boudgoust den gesetzlich festgelegten Drei-Stufen-Test, den die Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender durchlaufen müssen. Mit dieser Prüfung soll verhindert werden, dass die Sendeanstalten durch Gebührengelder ihre Internet-Seiten mit kommerziellen Angeboten bestücken und damit unlautere Wettbewerbsvorteile gegenüber den Privaten ergattern.

Der Senderchef will außerdem darauf drängen, dass die Entscheidungswege in der ARD schneller werden. Wenn die ARD mit der rasanten Entwicklung Schritt halten wolle, müsse sie flexibler werden. Zudem seien aufgrund der angespannten Finanzlage noch mehr Kooperationen notwendig.

dan/dpa/ddp



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