ARD-Politikmagazine Mobilmachung gegen die Kurzen

Ob Rundfunkrat, Handelskammer, Gewerkschaften oder Medienverbände: Die geplante Sendezeitverkürzung der ARD-Polit-Magazine hat viele Gegner. Gerade jetzt, da die Bürger durch Reformen und aktuelle politische Entwicklungen verunsichert seien, hätte die Informationsbeschneidung fatale Folgen.


"Monitor"-Moderatorin Mikich: "Der Preis für Kürzungen ist zu hoch"
WDR

"Monitor"-Moderatorin Mikich: "Der Preis für Kürzungen ist zu hoch"

Berlin - Vor allem bei den Rundfunkräten der betroffenen Sender sorgt die geplante Sendezeitkürzung bei den sechs ARD-Politmagazinen für Unmut. Viele Mitglieder der Kontrollgremien fürchten, dass sich das Erste mit einer Beschneidung der politischen Magazine weiter vom Bildungsauftrag entfernt. Am kommenden Dienstag werden die ARD-Intendanten in Bremen über die künftige Struktur der Sendungen entscheiden.

Nach bisherigen Planungen sollen die Magazine "Monitor", "Panorama", "Kontraste", "Fakt" sowie "Report" aus München und Mainz von 45 auf 30 Minuten gekürzt werden. Grund dafür ist der Plan, die "Tagesthemen" um eine Viertelstunde auf 22.15 Uhr vorzuziehen. Dadurch hoffen die Programmplaner auf bis zu 300.000 zusätzliche Zuschauer bei dem Informationsflaggschiff.

Für Hans-Werner Ludwig, Mitglied im Rundfunkrat des Südwestrundfunks (SWR), ist dies eine "schwierige Güterabwägung". "Wenn man sich aber entschlossen hat, die 'Tagesthemen' früher zu senden, dann muss man die daraus entstehenden Probleme lösen und auch eine Kürzung der Politikmagazine in Kauf nehmen", sagte er der Nachrichtenagentur ddp.

Dorothea Störr-Ritter aus dem Rundfunkrat des Südwestrundfunks hält die Kürzungen für problematisch. "Die öffentlich-rechtlichen Häuser müssen sich klar von den privaten Sendern unterscheiden. Und da spielen die Politikmagazine in ihrer bisherigen Stärke eine entscheidende Rolle", erklärte Störr-Ritter, die im Rundfunkrat den Bund der Selbständigen und den Landesverband der Freien Berufe vertritt.

Eindeutig ablehnend reagiert die stellvertretende Vorsitzende des DGB-Landesverbandes Baden-Württemberg, Leni Breymaier: "Eine Kürzung wäre ein Fehler. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk damit anfängt, seine Informationsverpflichtungen einzuschränken, dann stellt er sich am Ende selbst in Frage."

Auch in Berlin warnen Insider vor Programmkürzungen. Der SPD-Vertreter im RBB-Rundfunkrat, Frank Zimmermann, argumentiert mit Blick auf die gegenwärtigen politischen Entwicklungen: "Wir erleben gerade hautnah, innenpolitisch ebenso wie beim Thema Europa, wie wichtig umfassende politische Informationen sind. Und ausgerechnet in dieser Situation die ARD-Politikmagazine zu beschneiden, führt in die falsche Richtung."

In Hamburg äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz, ebenfalls kritisch: "Es gehört zur Grundversorgung und zum Qualitätsanspruch der öffentlich finanzierten Sender, gerade auf diesem Sektor mehr zu machen als die private Konkurrenz. Es geht um Qualität, nicht um Quote. Und das gilt gerade für die durchrecherchierten, von kompetenten Redaktionen gefertigten Magazinbeiträge. Die gilt es bis zuletzt zu verteidigen. Damit spreche ich sicher auch für viele andere Mitglieder des Landesrundfunkrates."

Von Natur aus kritisch sehen Medienverbände die Entwicklung. Der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Hendrik Zörner, sagte, eine Kürzung der Magazine passe nicht in eine Zeit, in der die Bürger durch Reformen und aktuelle politische Entwicklungen verunsichert seien. Für Marc Gruber, Direktor der Europäischen Journalistenföderation, wäre eine Beschneidung des Informationsprogramms Teil einer besorgniserregenden, europaweiten Tendenz. Dabei werde in öffentlich-rechtlichen Programmen beim politischen Anteil gekürzt, um den Unterhaltungsteil auszubauen.

Nach Ansicht der Leiterin des WDR-Magazins "Monitor", Sonia Mikich, gibt es gar keine Not, an der bisherigen Situation etwas zu ändern. Alle sechs Magazine wiesen gute Zuschauerquoten auf. Der ddp sagte Mikich: "Wenn man rechnet, analysiert und nicht nur über Zahlen, sondern auch über Qualitäten nachdenkt, dann kommen die Magazinmacher zu dem Schluss, dass der Preis einer Kürzung zu hoch wäre." Sie selbst habe die Hoffnung auf Erhalt der bisherigen Sendezeit deshalb noch nicht aufgegeben.

Christina Denz, ddp



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