ARD-Programmdirektion Zeitschrift benennt Struve-Nachfolger

Im Diadochenkampf um das Amt des ARD-Programmdirektors werden die ersten Namen in Stellung gebracht: Laut Informationen einer Programmzeitschrift soll Volker Herres der Nachfolger von Günter Struve werden - die ARD bestreitet das.


Hamburg - Am 30. September 2008 tritt Günter Struve, 67, von seinem Amt als ARD-Programmdirektor zurück. Die Programmzeitschrift "Gong" behauptet, bereits jetzt seinen Nachfolger zu kennen.

NDR-Programmdirektor Herres: In Stellung gebracht
DPA

NDR-Programmdirektor Herres: In Stellung gebracht

Volker Herres, 50, der aktuelle Programmdirektor des NDR, werde in Struves Fußstapfen treten, berichtet das Blatt unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Bereits bei der nächsten Intendantensitzung am 26. und 27. November in Bremen könne Herres zum neuen Programmdirektor gekürt werden.

Die ARD dementiert diesen Termin: "Über die Nachfolge von Günter Struve entscheiden die Intendanten erst im Februar 2008", sagte ARD-Sprecher Christian Bauer SPIEGEL ONLINE.

In den Landesfunkhäusern der ARD bestehen durchaus unterschiedliche Interessen zum Amt des ARD-Programmdirektors. Die Benennung Volker Herres' könnte schlicht dazu dienen, einen Namen in die öffentliche Diskussion einzubringen und die Reaktionen darauf abzuwarten.

Die ARD wollte die Informationen von "Gong" zumindest nicht bestätigen: "Wir werden erst einen Namen nennen, wenn wir einen Namen haben", sagte Bauer.

Herres zuletzt als neuer NDR-Intendant nominiert

Der gebürtige Cuxhavener und "Presseclub"-Moderator Volker Herres, war zuletzt schon als Nachfolger des NDR-Intendanten Jobst Plog im Gespräch. Kurioserweise wären die CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff, Peter-Harry Carstensen und Ole Von Beust seinerzeit mit Herres' Beförderung angeblich einverstanden gewesen - obwohl der TV-Direktor in seiner politischen Anschauung als linksliberal eingestuft wird.

Der ARD-Programmdirektor hat nicht den leichtesten Job im Gefüge der ARD: Er muss die Interessen der Landesrundfunkanstalten bei der Programmplanung austarieren, für das Erste eine Spitzenquote einfahren und gleichzeitig dem Versorgungsauftrag entsprechen.

DER SPIEGEL hatte bereits im August drei Namen ins Spiel gebracht: Neben Herres wurden die Fernsehdirektoren Bernhard Nellessen (Südwestrundfunk) und Manfred Krupp (Hessischer Rundfunk) genannt.

Nominiert für Deutschen Fernsehpreis

Volker Herres, der in München studierte, wechselte 1987 vom ZDF zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg. Der zweifache Vater arbeitete als Leiter der Intendanz beim NDR, wurde 1995 Fernseh-Chefredakteur des Senders und 2004 dessen Programmdirektor.

Für seine Gesprächsleitung der ARD-Sendung "Das Opfer und der Terrorist" war er vor zwei Wochen in der Kategorie "Beste Moderation Information" für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Der derzeitige Programmdirektor Günter Struve ist seit 1992 als im Amt, nebenamtlich ist der promovierte Politologe ARD-Sportkoordinator. Vorher war er unter anderem Fernsehdirektor des WDR, Berliner Senatssprecher und Redenschreiber für Willy Brandt.

ssu



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