ARD und ZDF Unverzichtbar und zu teuer

Fast zwei Drittel halten ARD und ZDF für unverzichtbar, aber etwa genau so viele halten die Rundfunkgebühr für zu hoch – das ergab eine Umfrage im Auftrag des SPIEGEL. Politiker streiten über die Internet-Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender.


Hamburg – Die Fernsehzuschauer möchten ARD und ZDF gerne behalten, aber sie wollen weniger dafür zahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Forschungsinstitutes TNS im Auftrag des SPIEGEL. 58 Prozent der Befragten finden Rundfunkgebühren zu hoch, nur 40 Prozent halten sie für angemessen. Trotzdem halten 63 Prozent die Radio und TV-Programme von ARD und ZDF für unverzichtbar. Nur ein Drittel will die öffentlich-rechtlichen Sender abschaffen.

Die hohe Zustimmung ist vor allem den älteren Zuschauern zu verdanken: Für 74 Prozent der Befragten über 60 sind ARD und ZDF ein Muss. Bei den Jüngeren ist die Begeisterung deutlich geringer, bei 18- bis 29-Jährigen sprechen sich nur 45 Prozent für den Erhalt der gebührenfinanzierten Sender aus.

Deutliche Mehrheit gegen Werbung

Mehr als 70 Prozent sprachen sich bei einer TNS Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" für die Abschaffung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus. Der Vorsitzende der Medienkommission beim SPD-Parteivorstand, Marc Jan Eumann, forderte in der Zeitung das Aus für Sponsoring und Werbung bei ARD und ZDF.

Das Sponsoring solle am besten sofort beendet werden, in vier Jahren könnten die Sender werbefrei sein, so Eumann. Ausnahmen sollten aber bei Sportveranstaltungen möglich sein. ARD und ZDF würden sonst beim Kampf um Übertragungsrechte häufig leer ausgehen. Die Einnahmeausfälle bezifferte der SPD-Politiker auf etwa 586 Millionen Euro im Jahr. Diese könnten wie bei der britischen BBC durch Verkaufsartikel wie Bücher und DVDs "mehr als ausgeglichen" werden.

CDU-Ministerpräsident Oettinger: Online-Programme könnten begrenzt werden
DPA

CDU-Ministerpräsident Oettinger: Online-Programme könnten begrenzt werden

Unterschiedliche Vorstellungen gibt es darüber, wie ARD und ZDF ihr Angebot künftig weiter entwickeln sollen. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger will die Grundversorgung mit Angeboten künftig über Gesetze und Staatsverträge konkreter definieren. So könnten etwa die Online-Programme der Sender begrenzt werden, sagte der CDU-Politiker dem "Focus".

Oettinger äußerte sich kritisch über die Investitionen der Rundfunkanstalten. "Ich bin noch nicht so weit, alles, was in den öffentlich-rechtlichen Sendern geplant wird, auch zu akzeptieren." Darüber werde bis zur Ministerpräsidentenkonferenz Mitte Oktober verhandelt. Bei einer Neuordnung der Rundfunkabgabe schlug er vor, die Gebühren zunächst für sechs bis acht Jahre an die Teuerungsrate zu binden: "Das wäre dann auch kein Rückzug der Landespolitik auf Dauer."

Präsenz auf allen Plattformen

SPD-Bürgermeister Wowereit: Präsenz auf allen Plattformen
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SPD-Bürgermeister Wowereit: Präsenz auf allen Plattformen

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD) verteidigte das Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet. Die Sender müssten auf allen Plattformen präsent bleiben, wenn sie in der Demokratie weiter eine Rolle spielen wollten, schrieb Wowereit in einem Beitrag für den Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Zudem müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch populäre, aber teure Sendungen wie Boxkämpfe, Fußballspiele oder Volksmusik ausstrahlen, um breite Akzeptanz zu behalten. Nur mit Minderheitenprogrammen geriete er in eine Randexistenz. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk trägt seinen Teil dazu bei, dass unsere pluralistische Demokratie funktioniert", schrieb der SPD-Politiker. "Das sollte uns auch die Gebühren wert sein.

Der Anlass für die neue Diskussion über die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. ARD, ZDF und Deutschlandradio hatten in Karlsruhe gegen die letzte Festlegung der Rundfunkgebühr geklagt. Nach Ansicht der Sender fiel die letzte Erhöhung zu gering aus, weil die Bundesländer in unzulässiger Weise Einfluss genommen hätten. Das Verfahren habe damit die Rundfunkfreiheit verletzt. Das Gericht gab den Sendern Recht.

sac/ddp/AP



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