"Ars Electronica" Öffentliche Samenspende sorgt für Skandal

"Next Sex" lautet das Motto des diesjährigen Computerkunst-Festivals Ars Electronica in Linz. Bereits im Vorfeld erregt eine geplante Samenspendeaktion auf dem Hauptplatz die Gemüter.

Linz - Das österreichische Massenblatt "Kurier" nannte es "Kunstwichsen", die Linzer Freiheitliche Partei protestierte gegen das "Wett-Onanieren am Hauptplatz": Schon vier Tage vor Beginn der Ars Electronica  ist die Debatte über die geplante Kunstaktion "Sperm Race" entbrannt: Als Diskussionsanregung zum Thema "Designer-Babies" sollen Männer dazu aufgerufen werden, in einer Videokabine am Linzer Hauptplatz eine Samenspende abzugeben. Der Mann mit den schnellsten Spermien, der aus Darwins Sicht "Fitteste", wird dann abends zum Tagessieger gekürt. Die Preisverleihung geschieht auf Wunsch anonym, der Sieger kann sich die Plexiglasstatuette in Form eines Reagenzglases aber auch persönlich vor den Kameras überreichen lassen.

Die öffentliche Samenspende beginnt am 2. September um 18 Uhr und wird an den beiden folgenden Tagen jeweils von 10-19 Uhr fortgesetzt. Um die Anonymität der Teilnehmer zu wahren, ist das Fotografieren rund um die drei Container auf dem Hauptplatz verboten. In der Videokabine, die strengsten hygienischen Vorschriften genügt, wie die Veranstalter versichern, steht ein so genannter "Anturn"-Terminal. Nebenan befindet sich ein Labor, in dem Wissenschaftler der Universitäten Salzburg und Krems die Samenproben auf ihre Qualität hin untersuchen.

Mit der Aktion wollen die Veranstalter eine Diskussion über Biotechnologie auslösen, die nach Übereinstimmung von Experten die "Next Wave" in der Technikentwicklung sein wird. "Sperm Race" ist nur der Aufsehen erregendste Teil des renommierten Festivals, das in diesem Jahr unter dem Motto "Next Sex - Sex im Zeitalter seiner reproduktionstechnischen Überflüssigkeit" steht.

In einem Symposium diskutieren Wissenschaftler und Künstler kulturelle und soziale Fragen, die sich aus den Möglichkeiten der Reproduktionstechnologie ergeben. Beteiligt sind unter anderen der Biologe Randy Thornhill, der mit seiner Veröffentlichung "Eine Naturgeschichte der Vergewaltigung" für Aufregung in den Medien gesorgt hat, und der Miterfinder der "Pille", Carl Djerassi.

Präsentiert werden auch künstlerische Arbeiten zum Thema Körper und Sexualität. Erstmals sind in Österreich Fotografien der US-Künstlerin Natacha Merritt zu sehen, die mit intimen Aufnahmen unter dem Titel "Digital Diaries"  Furore machte. Auf provokante Art setzt sich eine australisch-israelische Künstlergruppe mit den Möglichkeiten synthetischer Medizin auseinander und entwickelt Skulpturen aus Gewebekulturen, die in einer künstlichen Gebärmutter gezüchtet wurden.

Schon letztes Jahr widmete sich die "Ars Electronica", die seit über 20 Jahren die Technologieentwicklung aus gesellschaftlicher und künstlerischer Perspektive thematisiert, den bei Ethikern heftig umstrittenen "Life Sciences".

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