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Frauen in der Kunst: Macht statt Muse

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Neues "Art Review"-Ranking Macht statt Muse

Galeristen, Künstler, Händler - die "Art Review Power 100"-Liste versammelt die Einflussreichsten der Kunstwelt. Das Ranking zeigt: Immer mehr Frauen bestimmen in der ehemaligen Männerdomäne mit. Der Überblick.

Mit dem Ranking "Power 100" des britischen Magazins "Art Review" hat der ruhelose Kunstbetrieb die Bestenliste, die er verdient. Wer im einen Jahr unter den Top Ten der 100 Mächtigsten der Szene glänzt, kann im nächsten schon wieder aus dem Verzeichnis verschwunden sein.

Doch einige Trends halten sich, männliche Großgaleristen wie David Zwirner (Platz 2) und Iwan Wirth (Platz 3) geben seit Jahren den Ton an, genau wie die Direktoren der Tate Britain, Nicholas Serota (Platz 1), und des MoMA, Glenn D. Lowry (Platz 4). Aber: Immer mehr Frauen nehmen Einfluss auf die Kunstwelt.

Waren 2002 bei der ersten Auflage der "Power 100" nicht einmal zwanzig Frauen unter den Mächtigsten der Kunst gelistet, machen in diesem Jahr mehr als ein Drittel an Künstlerinnen, Galeristinnen, Kuratorinnen und Sammlerinnen das Ranking aus.

Die "Power 100" entsteht aufgrund von subjektiven Einschätzungen und belohnt diejenigen, die im jeweiligen Jahr die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten. So lässt sich erklären, warum wichtige, aber nicht omnipräsente Personen wie Rosemarie Trockel (Platz 63) erst spät auftauchen.

2014 konnten sich mit Marina Abramovic, Julia Peyton-Jones, Marian Goodman und Cindy Sherman vier Frauen unter den ersten Zehn platzieren. In den Jahren 2013 und 2012 wurde die Liste sogar jeweils von einer Frau angeführt - von solchen Zahlen können Gleichstellungsbeauftragte in Dax-Unternehmen nur träumen.

Dies sind die einflussreichsten Frauen der Kunstwelt:

Die Performerin: Marina Abramovic

Marina Abramovic ist die mächtigste Künstlerin aller Zeiten - glaubt man dem Ranking, denn dort ist die 67-Jährige in diesem Jahr auf Platz fünf gelandet. Höher hat es noch keine Kunstschaffende vor ihr gebracht. Aber kein Wunder, Abramovics Performances zur Selbsterfahrung und -zerstörung sind spätestens seit ihrer großen Retrospektive 2010 im New Yorker MoMA weltbekannt. Zuletzt sorgte die serbische Künstlerin mit ihrer Performance "512 Hours" in der Londoner Serpentine Gallery für Aufsehen.

Die Direktorin: Julia Peyton-Jones

Peyton-Jones begann ihre Karriere 1988 als Kuratorin der renommierten Hayward Gallery - drei Jahre später wurde sie Direktorin der Londoner Serpentine Gallery, die sie bis heute zusammen mit dem Chefkurator Hans-Ulrich Obrist erfolgreich leitet. Gemeinsam landeten die beiden auf Platz sechs der Rangliste. Im Jahr 2003 wurde Peyton-Jones mit dem Verdienstorden des britischen Empire ausgezeichnet.

Die Galeristin: Marian Goodman

Platz neun für Marian Goodman: Mit mittlerweile 86 Jahren ist sie die Grande Dame der Kunstwelt, dabei kam die Galeristin eher zufällig zu ihrem Beruf. Nach ihrer Scheidung war sie als alleinerziehende Mutter gezwungen, selbst Geld zu verdienen. 1977 gründete Goodman in New York ihre erste Galerie unter eigenem Namen. Im Gegensatz zum Rest der Szene fokussierte sie sich auf europäische Künstler - ihr Erfolgsrezept. Heute vertritt sie Thomas Struth, Maurizio Cattelan oder Gerhard Richter, den teuersten lebenden Maler. Der Umsatz ihrer beiden Galerien in New York und Paris lag 2012 laut "Forbes" bei etwa 110 Millionen Euro. In diesem Jahr eröffnete Goodman folgerichtig eine dritte Dependance in London.

Die Fotografin: Cindy Sherman

Künstlerin und Modell in einem: Cindy Sherman wurde vor allem durch ihre verstörenden Selbstporträts bekannt. Mit 21 Jahren legte die Amerikanerin mit ihrer ersten Fotoserie, für die sie selbst in die Rollen von Figuren aus fiktiven Melodramen schlüpfte, den Grundstein ihrer Karriere. Auf der Rangliste der "Art Review" steht sie auf Platz zehn, ihre Fotografien erreichen regelmäßig Spitzenpreise: 2011 wurde ein Bild aus ihrem "Centerfold"-Zyklus von 1981 für etwa drei Millionen Euro bei Christie's versteigert.

Das Team: Monika Sprüth & Philomene Magers

Andreas Gursky, Jenny Holzer, Ed Ruscha, Rosemarie Trockel und Cindy Sherman: Das sind nur ein paar Namen, die von der Galerie Sprüth Magers vertreten werden. Anfang der 1980er gründete die Architektin und Stadtplanerin Monika Sprüth eine Galerie in Köln, ab 1998 agierte sie gemeinsam mit Philomene Magers unter dem Namen Sprüth Magers, zusammen finden sie regelmäßig weltweite Beachtung - Platz 11 für die beiden Galeristinnen.

Die Frau mit der Milliarde: Sheikha al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa al-Thani

Mit nur 30 Jahren hatte Sheikha al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa al-Thani alle hinter sich gelassen: Die junge Frau wurde im letzten Jahr auf Platz eins der Kunst-Rangliste gewählt. Im Jahr 2011 war sie auf Platz 90 eingestiegen, in diesem Jahr schafft sie es immerhin noch auf Platz elf, ein Indiz dafür, dass es sich bei ihr nicht um ein One-Hit-Wonder handelt. Als Schwester des Emirs von Katar wurde Sheikha al-Mayassa Vorsitzende des Qatar Museum und Gründerin des Doha Film Institutes. Die studierte Politikwissenschaftlerin mit einem Abschluss an der renommierten Duke University kann angeblich für eine Milliarde Dollar im Jahr Kunst einkaufen - zum Programm der Qatar Museum gehörten bisher Werkschauen mit Arbeiten von Louise Bourgeois, Takashi Murakami oder Damien Hirst. Und: Eine Ausstellung zu arabischen Frauen im Sport, mit Fotografien von Brigitte Lacombe, mitten in Katar.

sib
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